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Das berühmte Anfangsgedicht von Herr der Ringe

Drei Ringe den Elbenkönigen hoch im Licht,
Sieben den Zwergenherrschern in ihren Hallen aus Stein,
Den Sterblichen, ewig dem Tode verfallen, neun,
Einer dem Dunklen Herrn auf dumklem Thron
Im Lande Mordor, wo die Schatten drohn.
Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden,
Ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden
im Lande Mordor, wo die Schatten drohn.

Conrad Ferdinand Meyer (1825 - 1898)

DER VERWUNDETE BAUM

Sie haben mit dem Beile dich zerschnitten,
Die Frevler - hast du viel dabei gelitten?
Ich selber habe sorglich dich verbunden
Und traue: Junger Baum, du wirst gesunden!
Auch ich erlitt zu schier derselben Stunde
Von schärferm Messer eine tiefre Wunde.
Zu untersuchen komm ich deine täglich,
Und meine fühl ich brennen unerträglich.
Du saugest gierig ein die Kraft der Erde,
Mir ist, als ob auch ich durchrieselt werde!
Der frische Saft quillt aus zerschnittner Rinde
Heilsam. Mir ist, als ob auch ichs empfinde!
Indem ich deine sich erfrischen fühle,
Ist mir, als ob sich meine Wunde kühle!
Natur beginnt zu wirken und zu weben,
Ich traue: Beiden geht es nicht ans Leben!
Wie viele, so verwundet, welkten, starben!
Wir beide prahlen noch mit unsern Narben!

DIE ZWINGBURG

Gebrochen ist der alte Twing,
Ringsum ergrünt sein Mauerring,
Der Eppich schwankt im Fenster,
Versunken in der Erde Schoss
Tief unter das besonnte Moos
Sind Ritter und Gespenster.

Wo durch das tiefgewölbte Tor
Die zornge Fehde schritt hervor
Und liess die Hörner schmettern,
Da hat sich, duftig eingeengt,
Ein Zicklein ans Gesträuch gehängt
Und nascht von jungen Blättern.

Wo wildverträumt Frau Minne stund,
Zerrann auf blauem Himmelsgrund
Der kecke Bau des Erkers;
Wo im Verlies der Hass gegrollt,
Ist in das weiche Gras gerollt
Ein Quaderstein des Kerkers.

Und wo den Teich vom Hügelhang
Herab die trotzge Feste zwang,
Ein finster Bild zu spiegeln,
Da rudert, von der Flut benetzt,
Der Burg zerstörtes Wappen jetzt:
Ein Schwan mit Silberflügeln.

Gesang vom Beil

Schöne Waffe, hell und bloß,
Gezogen aus der Mutter Erde Schoß
Holz dein Fleisch, Stahl dein Gebein, ein Glied allein, eine Lippe
allein, Graublaues Blatt, in Rotglut geglüht, Schaft, aus kleinem Samen erblüht
Im grünen Gras voll Saft und Kraft,
Feste Stütze, starker Schaft.

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