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Die Bestien
Die Geschichte von Darius Maron
Die Reise beginnt
Milamber
Drachenflug
Sylvandor Rahl's Vorgeschichte
Burg Adlerfels
Die Feuer von Anwyl
Die Erzählungen von Fallaron Selatur

Die Bestien

Geschrieben von Niko Lehner

Nördlich von Vonek, einer großen Stadt im Tal des Sturms, liegt Friok. Friok ist ein kleines Dorf, in dem nicht mehr als etwa 250 Einwohner leben. Seit einiger Zeit gehen hier aber seltsame Dinge um. Von Zeit zu Zeit verschwinden Leute auf nimmer wiedersehen. Auch ein Teil der königlichen Garde ist verschwunden, die diesen Vorkommen ein Ende setzen wollte.
Vor nicht allzu langer Zeit konnte ein Bauernjunge diesem Vorkommnissen entkommen. Er erzählte das er von Bestien entführt worden sei, die so ähnlich wie Orcs aussahen, nur viel wilder und dümmer waren. Außerdem hatten sie keine Rüstung, so erzählte er weiter, sondern waren nur mit Fell bekleidet, und diese Wesen trugen auch nur ein grob gemachtes Breitschwert als Waffe. Diese Nachricht kursierte bis weit hinter die Grenzen des Landes. Und es kamen viele Abenteuer, vorallem Soldaten des letzten Krieges, úm in Friok "aufzuräumen" und vielleicht sogar einen Schatz zu finden und zusätzlich die Belohnung des Königs, 2000 Goldmünzen, zu kassieren. Doch nur wenige Abenteurer kamen lebend zurück, und die die zurückkamen, waren nicht mehr die gleichen, die wegen Übermutes auf dieses Abenteuer gegangen sind. Nein, sie waren verkrüppelt, und geistig zerstört. Aber nun will ich von der letzten Gruppe von Abenteuern erzählen, die sich dieser Aufgabe gestellt hatte, sie bestand aus 4 Helden, aus dem sehr erfahrenen und im ganzen Land bekannten Faralosch, einem zwergischen Krieger, Herik, einem menschlichen Magier, Ria, einer Dunkelelfin, die eine vorzügliche Jägerin war, und aus Nork, einem Halbling-Dieb. Die Gruppe wanderte zu dem nahegelegenen Wald, in dem die Bestien hausen sollten, um hier ein Nachtlager aufzuschlagen. Sie stellten Nork als Wache auf. Am nächsten Morgen mußten sie aber feststellen, das Nork weg war. Herik fand nach einer halben Stunde suche etwas, es war Blut ! Die Bluttropfen führten die Truppe zu einer Höhle. Faralosch ging langsam vor. Langsam deswegen, weil er Schreie hörte...es waren menschliche Stimmen ! Gequälte menschliche Stimmen !
Die Gruppe schlich sich jetzt immer langsamer und vorsichtiger an der glitschigen Höhlenwand vorran, bis sie zu einer großen, in den Stein gehauener Halle kamen.
Plötzlich schrie Faralosch auf ! Ein Pfeil hatte ihm an der linken Hand getroffen. Seine Axt sank langsam zu Boden.
Und jetzt kam noch ein kleines Stöhnen dazu: Ein weiterer Pfeil hatte ihn in den Bauch getroffen. Herik zündete eine Fackel an, blickte zuerst auf eine Anhöhe, konnte aber niemanden entdecken. Die 3 retteten sich gerade noch hinter einen großen Stein, als ein richtiger Pfeilhagel auf sie niederschoß. Der Magier nahm die Fackel, zog dem Zwerg die zwei Pfeile aus dem Fleisch, und hielt so gleich die Fackeln an die Wunden. Faralosch stöhnte etwas, und verlor das Bewußtsein, kurz nachdem die Elfin Heilkräuter auf seine Haut gelegt hatte. Die 2 übriggebliebenen beschlossen, ein Nachtlager aufzuschlagen. Am nächsten Morgen war Falarosch schon recht gut auf, so daß die Gruppe ihr Abenteuer fortsetzen konnte. Ohne Probleme drang sie immer weiter in die Höhle vor, Ria war diejenige, die eine Tür öffnete, hinter der der Tod lauerte. Der Tod in Form von mindestens 20 Werwolfähnlichen Wesen. Die Elfin und der Magier schreckten zurück. Doch der von seinem Übermut gepackte Zwergenkrieger hohlte zum Anflauf aus und schrie den Ungetümen entgegen. Er schwang sein Kriegsbeil und rammte gleich 2 von den Kreaturen zu Boden. Er konnte durch seine Stärke, seinen Mut und seiner Axt die Menge durchdringen, doch mußte er merken, daß hinter dieser, kein Anführer oder Nork, sondern ein tiefer Abgrund war. Der Zwerg stand nun mit dem Rücken zum Abgrund. Die Wesen kamen mit ihren gierigen roten Augen immer näher auf Faralosch zu. Die ersten Drei konnte er mit einem einzigen Schlag mit seiner Axt enthaupten. Doch jetzt kamen die anderen vor lauter Wut immer schneller auf ihn zu. Einen dieser "Monster" konnte er gerade noch mit seiner Geschicklichkeit in den Abgrund werfen. Doch nun hatte er keine Chance mehr. Die Ungeheuer prügelten mit Stöcken auf ihn ein, und selbst seine zwergische Panzerung konnte ihn nicht vor unglaublichen Schmerzen retten. Nun beschwörten Herik und Ria einen Feuersturm herbei, der 10 der Monster verbrennen lies. Sie liefen den restlichen Ungeheuern entgegen und versuchten, den Zwerg von ihnen zu befreien. Als sie auch den letzten von ihnen getötet hatten, war der Zwerg tot. Der Magier hatte eine Hand verloren, als er mit ihr in das klaffende Maul eines Ungeheuers geriet. Plötzlich erschien aus einem schwefelartigen Rauch ein Dämon . Es war ein Diener Gris, dem Herscher der Unterwelt.
Nach kurzen Blicken auf die beiden Überlebenden, die vielen Leichen und dem toten Zwerg,
machte er eine mystische Handbewegung, so daß eine Felsformation auseinanderbrach. Dann verschwand er wieder. Hinter diesen Felsen waren die Leiche von Nork, dem Halblingdieb, und eine schwarze Kiste. Die schwarze Kiste und die 2 Leichen wurden von den 2 Helden mit auf die Oberfläche genommen. Kurz nachdem sie die Höhle verlassen hatten, erschien ihnen die Seele von Nork und Faralosch. Sie mahnten Ria und Herik, die Kiste nie zu öffnen, sondern in das Meer zu werfen. Denn durch das Öffnen dieser Kiste, kam es zu der Katastrophe, durch die Falarosch und Nork um ihr Leben gekommen waren....

Die Geschichte von Darius Maron

Geschrieben von Peter Loeks

"Ich habe Euch etwas zu sagen," drang die Stimme des Fremden durch den winzigen Schlitz in der schweren Eichentür. "Was könntest Du Bettler schon zu sagen haben?" kam prompt die schroffe Antwort. "Das würde ich Eurem Herrn gern selbst überbringen.""So komm schon herein, aber mein Herr hat Besseres zu tun, als mit Dir zu reden. Sag, was DU zu sagen hast und dann verschwinde!" "Na gut, aber ich warne Euch: überbringt Eurem Herrn, was ich Euch nun sagen werde.

Es war vor etwa einer Woche, als ich aus einer Schenke in Beran kam. Ich war guter Dinge und hatte eigentlich noch keine Lust Heim zu gehen, so entschloß ich mich, noch etwas durch die Gassen der Stadt zu schlendern. Als ich an einem düsteren Weg vorbeikam hörte ich so etwas wie einen erstickten Schrei. Ich zog sofort mein Schwert und eilte dem vermeintlich Überfallenen zur Hilfe. Im Halbdunkel erkannte ich einen Körper, der verloren auf dem nasse Kopfsteinpflaster lag. Ich schlich mich vorsichtig näher. Am anderen Ende der Gasse raschelte etwas und ich rannte los, dem Straßenräuber auf den Fersen. Etwas zu schnell sauste ich um die Ecke. Ich prallte an einer Tonne mit stinkendem Wasser ab und strauchelte. Dann geschah alles im Zeitraum eines kurzen Zwinkerns. Ein Arm umfaßte mich und halb stehend, halb sitzend hing ich zwischen Fallen und Stehenbleiben, unfähig, mich zu bewegen, da ein Dolch gefährlich tief in die dünne Haut über meiner Kehle ritzte. Langsam zog der Fremde mich hoch. In meiner Todesangst war ich völlig unfähig, mich zu bewegen, geschweige denn um Hilfe zu schreien. Ich hörte ein Wispern an meinem Ohr: ´Du hast gesehen, wozu ich fähig bin. Wehr Dich also nicht.` Der Mann lockerte seinen Griff und drehte mich langsam um, bis ich ihm ins Gesicht blicken konnte. Plötzlich fuhr er ruckartig nach vorne und ich schlug erschrocken rückwärts gegen eine Mauer. Sofort lag die Spitze des Dolches wieder auf meiner Kehle. Nun war ich in der Lage, den Mann zu sehen. Er war jung, vielleicht gerade zwanzig, und von schmaler Statur, nicht größer als etwa 1,75m. Er trug dunkle Kleidung, hatte dunkles Haar, das zwei Fingerbreit über den Ohren abgeschnitten war und graue Augen. Und er grinste mich an. ´Sei gegrüßt Sirien, so heißt Du doch, oder?` ´Ja,` flüsterte ich sehr leise, da auch ein kleines Nicken einen Dolch in meiner Kehle zur Folge gehabt hätte. ´Ich hörte, daß Du morgen nach Serusan reist. Nun höre mir zu und halt still. Ich hab nichts gegen Dich und es täte mir wirklich leid, Dich töten zu müssen... Außerdem müßte ich mir dann einen neuen Boten suchen.` Ein humorvolles Lachen drang aus seiner Kehle. ´Also, wenn Du in Serusan ankommst, dann richte dem Händler Gerun Iaredisen aus, daß Darius kommt. Ich stehe fast vor seiner Tür und er sollte in den nächsten Tagen auf jeden seiner Schritte achten... es könnte sein letzter sein. Jetzt schließe die Augen und zähle bis zehn. Aber ich warne Dich, keine Ziffer weniger. Das wäre dein letzter Fehler.`

Kurze Zeit später war der Mann verschwunden. Nun, ich habe Euch die Nachricht überbracht. Und ich verschwinde auch sofort wieder, doch laßt mich noch eins sagen. Dieser Mann ist gefährlich, wenn Euch also etwas an Eurem Herrn liegt, dann berichtet ihm von mir und meiner Geschichte. Ähm, bevor ich es vergesse, ich bin zwar kein Bettler, wie Ihr vorhin fälschlich vermutet habt, aber eine kleine Entlohnung..." "Mach, daß Du davonkommst, Du Hochstapler!" fauchte der Pförtner und beförderte Sirien mit einem groben Tritt wieder aus dem Haus. Dann runzelte er die Stirn und entschloß sich, seinem Herr doch Bescheid zu geben. Nicht daß er diesem Wicht geglaubt hatte, aber sicher ist sicher... Drei Tage später wurde Gerun Iaredisen tot vor der Türe seines Sommerhauses gefunden, das sich etwa 20 Kilometer außerhalb Serusans befindet. Ein Stich mit einem Dolch, knapp oberhalb des Kehlkopfes hatte sein Ende besiegelt. Auf der langen Liste seiner Feinde stand weiter unten ein Mann namens Darius, dem man aber in den Ermittlungen kaum Aufmerksamkeit schenkte. Es gab viele Menschen, denen Iaredisen das Heim und die Lebensgrundlage genommen hatte. Und dieser Darius hatte noch nicht einmal Familie gehabt. Der Pförtner verspätete sich ebenfalls mit seiner Aussage. Als die kaiserlichen Ermittler ihn abholen wollten, erkannten sie auch den Grund: mit einer Herzwunde zu laufen, geschweige denn zu sprechen ist verhältnismäßig kompliziert.

Darius ist auf dem Weg zur Grenze, wo er ein neues Leben beginnen möchte. Da ihn Iaredisen zu einem Verbrecher gemacht hatte, sieht er es nicht ein sein Glück erneut als bürgerlicher Ehrenmann zu versuchen. Der Beruf des Meuchelmörders dagegen hat es ihm angetan. Allerdings wird dieser Darius wohl der einzige seiner Art sein, der eine Art Ehrenkodex aufzuweisen hat: Töte niemals Unschuldige, oder im Grunde gute Menschen, die Dir nichts zu Leide tun wollen, und versuche möglichst, Dir deine Menschlichkeit zu bewahren.

Die Reise beginnt

Geschrieben von Peter Loeks

Gemächlich wanderte Darius durch die bewaldete Ebene, die sich hier kurz vor der Grenze so weit das Auge reichte in jede Richtung erstreckte. Er war guter Dinge und das erste mal seit der Zerstörung seiner Hütte fühlte er sich wieder wirklich gut. Jetzt, bei Tage, wirkte er seltsam fehl am Platze in seiner schwarzbraunen Kleidung, doch nachts machte sie ihn so gut wie unsichtbar. Außerdem waren die Kleider, die er trug, das Kurzschwert an seiner Seite und der lange Dolch in seinem Stiefel der einzige Besitz, den er hatte, sah man einmal von einer kärglich gefüllten Geldbörse ab. Kaum ein Mensch begegnete ihm, da zu dieser Zeit kaum Handel zwischen den beiden Ländern stattfand. Nur vereinzelt kreuzte ein Holzfäller oder Jäger seinen Weg, einmal traf er auf eine Gruppe zwielichtiger Gestalten, die er aber geschickt mied, indem er sich rasch in die Büsche schlug und so ungesehen blieb. Alles in allem hatte er diese Gegend für wilder gehalten, doch die Ruhe störte ihn nicht im geringsten und nach kurzer Zeit schallte sein Pfeifen durch das lichte Gehölz. Er kam an eine Gabelung und plötzlich wurde ihm die Symbolik dieser Situation klar. Äußerlich war er nur ein Mann, der an einer Weggabelung stand, doch tatsächlich stand er vor der vielleicht größten Entscheidung seines Lebens. In nordwestlicher Richtung ging es zur Grenzschenke. Ein Ort, an dem Halsabschneider, Händler und deren Leibwächter, Schmuggler und selten irgendwelche Ordnungshüter. Richtung Nordosten ging es nach Sherizem. Es war ein kleiner Weiler, der praktisch der Ideale Ort für einen Neuanfang war: abgelegen, vergessen und die Einwohner interessierten sich überhaupt nicht für die Vergangenheit ihrer neuen Mitbewohner, solange diese hart arbeiteten und sich in die Gemeinschaft einfügten. So stand er da, es vergingen Minuten, eine halbe Stunde, bis Darius schließlich den Weg Richtung Schenke wählte. Er hatte das Leben geschmeckt als er den Kitzel der Aufregung und der Angst verspürt hatte... kurz, bevor Iaredisen starb. Zuerst war der Pförtner nicht als weiteres Opfer vorgesehen, doch Darius war aufgegangen, daß dieser ebenfalls seinen Namen kannte und so weilte dieser nun ebenfalls nicht mehr unter den Lebenden. Nein, das Landleben hatte zwar seinen Reiz: Sicherheit, Ruhe und ein langes Leben, doch war es auch furchtbar langweilig.
Auf also, in eine neue Zeit, dachte Darius Carpe Diem und habe Spaß. Nutze Deine Talente und gib ganz einfach nicht Deinen Lebenswillen auf, dann schlägst Du Dich schon irgendwie durch. Die Zukunft sah plötzlich rosiger aus, die Geldbörse fühlte sich irgendwie schwerer an und Darius wußte, warum er sich so frei fühlte: Weil er es war!
Als der Wind drehte waren die Schreie plötzlich ganz deutlich zu hören. Darius hörte sofort auf zu pfeifen und schlug sich in die Büsche. Im Astloch einer großen Eiche versteckte er seinen Umhang, um mehr Bewegungsfreiheit zu erlangen. Weit und breit war keine Menschenseele zu sehen. Leise fluchte er doch schließlich kroch er näher an die Quelle der Geräusche heran. "Bleib stehen, Frau! Du entkommst uns nicht," drang die Stimme eines Mannes an Darius` Ohr. "Wenn Du Dich nicht wehrst, lassen wir Dich vielleicht am Leben." Ein dreckiges Lachen erklang. Nun konnte Darius erkennen, was dort passierte. Zwei Männer verfolgten eine junge Frau. Einer der Männer hatte ein Schwert gezogen, beide machten den Eindruck, schon reichlich dem Wein zugesprochen zu haben. Eine Narbe zierte das Gesicht des Zweiten. Genau in diesem Moment hatte der Schwertträger die Frau erreicht und hielt sie fest. "Halt still, Hure!" Die Frau brach in Tränen aus. Darius zog sich auf einen Baum hinauf und versteckte sich hinter dem mächtigen Stamm vor den Blicken der Männer. Dann warf er einen kleinen Stein, den er am Boden gefunden hatte in Richtung des Narbigen. Gleichzeitig rief er: "He, Volltrottel!" Verwirrt schauten sich die beiden Gesetzlosen um. "Schau nach, was da los ist! Ich bleibe hier und bewache die Frau," sagte der erste. "Warum ich? Mach Du das doch!" "Weil ich der bessere Schwertkämpfer bin, ganz einfach... Oder willst Du Dich mit mir messen?" "Nein nein, ich geh ja schon," brummte der Narbige und zog sein Kurzschwert. Dann ging er vorsichtig in Darius` Richtung. Der Schwertträger machte sich daran, die Frau an den Stamm einer schmalen Birke zu fesseln. Kaum war der Narbige außerhalb der Sichtweite des Schwertträgers, ließ sich Darius, ohne ein Geräusch zu verursachen aus dem Baum gleiten. Zwei Meter hinter dem Gesetzlosen landete er. Ein kurzer Sprung und ein Schnitt mit dem Dolch durch die Kehle des Narbigen setzten dessen Leben ein jähes Ende. Ungläubig starrte er in das Gesicht seines Mörders. Darius grinste den Sterbenden an, der anstatt Schreien nur noch gurgelnde Geräusche hervorbrachte. Dann säuberte er seinen Dolch an der Kleidung des Toten und versteckte die Leiche im Gebüsch. Er zog sein Kurzschwert und ließ den Dolch wieder in seinem Stiefel verschwinden. Mit einem zornigen Gesichtsausdruck trat er auf die Lichtung, auf der der Schwertträger gerade damit fertig war, die Frau an den Baum zu fesseln. Vom Weinumnebelt mühte er sich mit dem letzten Knoten ab. Lautlos aber entschlossen schritt Darius mit erhobenem Schwert auf den Gesetzlosen zu. Daß die Augen der Frau starr auf den kleinen Meuchler gerichtet waren schien der große Mann gar nicht zu bemerken. Um so stärker wurde ihm dafür die Schwertklinge bewußt, die von hinten in seinen Hals drang. Der ungläubige Gesichtsausdruck auf seinem Gesicht übertraf sogar noch den des Narbigen.

"Wenn die immer so dreinblicken wenn sie sterben, dann habe ich einen weiteren Punkt, den ich auf der Liste dessen, was mir an diesem Job gefällt hinzufügen kann," murmelte Darius schmunzelnd, als er die Frau losband. "Danke für Eure Hilfe. Die beiden hätten mich getötet." Jetzt sah Darius die Frau zum ersten mal bewußt an. Sie war kaum älter als er selbst, vielleicht zwanzig, hatte schulterlanges, dunkelbraunes Haar, ein hübsches Gesicht und war eher zierlich von Statur. Und sie hatte strahlend blaue Augen, die Darius sofort in ihren Bann nahmen. "Warum habt Ihr das getan?" "B-Bitte? Entschuldigt, was habt Ihr gesagt?" brachte er hervor. "Warum Ihr mir geholfen habt, habe ich Euch gefragt. Viele Menschen wären verschwunden, ohne sich zu kümmern." Ihr Lächeln ließ Darius` Herz einen Sprung machen. "Nun, davon einmal abgesehen, daß ich grundsätzlich etwas gegen Vergewaltiger habe, hätte ich es auch nur für das Lächeln eben getan." Er hatte seine Schlagfertigkeit zurückgewonnen und rang sich selbst nun auch ein Lächeln ab, das allerdings nicht weit davon entfernt war, recht trottelig zu wirken. "Ihr habt Euch aber auch schnell von Eurem Schock erholt." Am liebsten hätte er sich die Zunge abgebissen als er merkte, daß dieser kurze Satz wie eine Anklage klang. "Nein, nein, so war das nicht gemeint, ich meinte..." "He, nun brecht nicht gleich in Tränen aus," lachte die Frau. "Ich bin eine zähe Natur. Hier, so nahe der Grenze muß man so sein. Das leben hier ist hart. Ich kann Euer Mißtrauen verstehen. Mein Name ist Urennia." "Darius. Sagt bitte Du zu mir." "Du nimmst mir die Worte aus dem Mund."Lachend gingen die beiden wieder in Richtung der Grenzstraße. Auf dem Weg sammelte Darius seinem Umhang wieder ein.Als sich ihre Wege trennten sagte Darius: "Vielleicht begegnen wir uns ja noch einmal. Also dann, mach's gut." Urennias Antwort war ein flüchtiger Kuß auf Darius Wange. Dann verschwand sie wieder im Wald. "Paß auf Dich auf!", rief er ihr hinterher. Noch reichlich verwirrt zog er weiter seines Weges.

Milamber

Geschrieben von Stefan Reschke

Wie alles begann

Aufgewachsen bin ich in der unabhängigen, großen Hafenstadt Baldurs Tor. Ich kenne meinen Vater nicht, doch muß er ein Elf gewesen sein, was man an meinen spitzen Ohren erkennen kann. Meine Mutter starb ebenfalls sehr früh. Später erfuhr ich, das sie eine berüchtigte Diebin gewesen war, die man auf einem ihrer Raubzüge getötet hatte. Das Leben ist hart auf der Straße. Alleine, ohne Verwandte und Freunde, lernte ich bald das Gesetz der Straße kennen. Nur wer schneller, stärker und skrupelloser ist - überlebt. Käuflich war im Prinzip jeder, für die richtige Summe oder für eine kleine Gefälligkeit. Für Sentimentalitäten war kein Platz in meinem Leben.

Ich hielt mich hauptsächlich anfangs mit Bettlereien, später mit kleineren Einbrüchen, Erpressungen, und Diebstählen über Wasser. Man lernt ja mit der Zeit hinzu. Anscheinend hatte ich das Talent von meiner Mutter geerbt. Tja, da ich allein arbeitete, fiel ich auch bald der hiesigen Diebesgilde auf. Ich war ihr anscheinend nachdem ich immer erfolgreicher arbeitete ein Dorn im Auge, da ich auf eigene Faust und in die eigene Tasche wirtschaftete. Zu diesem Zeitpunkt war ich 20 Jahre alt und hatte schon alle Tricks eines professionellen Diebes gelernt. Man überwältigte mich bei einem meiner Einbrüche und schleppte mich mit verbundenen Augen, in eines ihrer Verstecke in der Kanalisation. Sie stellten mich vor die Wahl, entweder mit den hiesigen Talenten zusammen zu arbeiten oder ohne Hände mein Leben weiter zu führen. Um aufgenommen zu werden, mußte ich allerdings eine kleine Mutprobe bestehen. Ich hatte mir nämlich schon einige Feinde gemacht und mußte nun zeigen, ob ich überhaupt würdig genug bin, der Diebesgilde beizutreten. Ich sollte in ein Mausoleum einbrechen und als Beweis irgend ein Schmuckstück erbeuten. Man würde mich dabei beobachten. Ich hatte zwei Wochen Zeit für meinen Auftrag. Mit einem höhnischen Grinsen verabschiedete man mich. Ich hörte noch wie einer leise flüsterte, der ist so gut wie Tod. Ich ließ mir natürlich nichts anmerken und dankte meinem Vater für diese Ohren.

Ich machte mich sofort an die Arbeit. Als erstes brauchte ich Informationen. Wie sich bald herausstellte, nachdem ich einige Quellen angezapft hatte, galt dieser Ort als verflucht. Einige Abenteurer sowie diverse Diebe hatten schon versucht dort einzudringen. Hinein kamen sie, doch nie wieder heraus. Bis auf einen, den man halb wahnsinnig vor Angst fand und irgend etwas von einer riesigen Schlange faselte, bevor er unter grauenhaften Schmerzen verstarb. Darauf hin hatte das Interesse sehr nachgelassen und in den nächsten 8 Jahren bis jetzt hatte niemand mehr versucht die Schätze zu bergen, die angeblich nur auf einen mutigen Abenteurer oder Dieb warteten. Ich schaute bei meinem "alten Freund" Sholar vorbei - ein Priester des hiesigen Deneirtempels. Hier ein Wort zur ach so frommen und tugendhaften Priesterschaft in dieser Stadt. Das ich nicht lache. Bis auf wenige Ausnahmen, hat jeder Tempel noch nebenbei ein paar kleinere Geschäfte laufen. Handel mit gestohlenen, magischen Gegenständen bzw. Einfuhr von Rauschmitteln aller Art - nur um ein paar harmlosere Dinge zu nennen. Ich hatte irgendwann durch Zufall herausgefunden, das der gute Sholar auf junge Knaben stand. Ich erpreßte ihn damit und drohte ihm, ihn bei seinem Oberen zu verpfeifen. Als Gegenleistung brachte er mir dafür lesen und schreiben bei und erfüllte mir auch sonst so manchen Dienst. Ich förderte natürlich seine Schwäche und verschaffte ihm hin und wieder einen Knaben, den ich im noblen Bordell "Lotusblume" mietete. Übrigens der beste Laden in der Stadt, ich hatte dem Besitzer mal einen "kleinen" Dienst erwiesen und aus Dankbarkeit hatte ich einigen Bonus bei ihm, den ich aber nur langsam verbrauchte. Das Motto dieses Hauses war, wir besorgen jedem die richtige für sein Vergnügen. Das nur nebenbei. Dadurch waren beide Seiten zu Frieden und jeder hatte seinen Vorteil. Nach dem wir einige Bücher gewälzt hatten, erfuhr ich die ganze Geschichte. Zwei mächtige Magier hatten seinerzeit sich wegen einer Frau duelliert. Leider wurde im Kampf die Frau tödlich verletzt. Beide Magier errichteten daraufhin das Mausoleum. Angeblich soll ihr Körper in einem leben spendenden, gläsernen Sarg liegen. Tödliche Fallen sowie eine große Schlange sollen über ihren Körper wachen. Die Magier hofften, das mit der Zeit, das Wissen um Heilung sich erweitern würde und irgendwann ein Zauberspruch den Körper der Geliebten heilen könnte. Leider war das vor vierhundert Jahren gewesen, die Magier schon lange Tod und die Frau wartet immer noch auf Erlösung so heißt es. Scheiße, tödliche Fallen bzw. Schlangen. Ich haßte Schlangen schon von Kindheit an. Das erforderte eine genaue Planung. Als erstes besorgte ich mir einen Mungo, das waren angeblich die natürlichen Todfeinde von Schlangen, wie mir der Leiter des Stadtzoos versicherte und ein übel riechendes Zeug (Paste) die angeblich Schlangen fern halten sollte, kostete mich fast mein gesamtes Geld und ich mußte zusätzlich auf meine restlichen Ersparnisse zurückgreifen. Anderthalb Wochen waren bereits vergangen und ich mußte langsam in die Gänge kommen.

Ich traf letzte Vorbereitungen und besorgte mir zwei Flaschen hochprozentigen Alkohol das gab zwei gute Brandbomben ab. Mehrere Fackeln, ein etwa zwanzig Meter langes Seil, vier Wurfdolche, eine Armbrust und ein Lasso. Vom hiesigen Apothekarius hatte ich mir ein Betäubungsmittel besorgt, das angeblich einen ausgewachsenen Ochsen umhauen würde. Ich schmierte das Zeug auf die Dolche und die Armbrustbolzen. Mein Diebeswerkzeug hatte ich ja sowieso immer dabei. Eine handliche Brechstange, ein Glasschneider und ein 2m langer Holzstab vervollständigten meine Ausrüstung. Den kleinen Mungo hatte ich mit im Rucksack verstaut. Dann schmierte ich mir noch dieses widerlich riechende Zeug auf meinen Lederpanzer und wartete nun auf den Einbruch der Nacht.

Gut, die Mauer war kein Problem gewesen. Über einen Baum hatte ich die Mauer herunter springen können. Den Stab und Rucksack hatte ich schon vorher rüber geschmissen, was von dem Mungo mit einem lauten Fauchen beantwortet wurde. Ich hatte ihn jedoch gut eingepackt in einer Decke und gefesselt, so das ihm eigentlich nichts passieren konnte. Mein Glück, das ich die Mauer nicht berührte, da waren nämlich so eigenartige Zeichen eingeritzt gewesen. Nachdem ich mich abgerollt hatte, fand ich auch schon die ersten Skelette oder was davon übrig war herum liegen. Da hatte wohl jemand die Mauer oben berührt. Ich sammelte mein Zeug ein, da fiel mir an einem Skelett etwas glitzerndes auf. Ein Armreif noch gut erhalten und anscheinend wertvoll. Ich nahm ihn und zog ihn an. Der paßte ja wie angegossen. Ah, dahinten ist ja das Eingangstor zum Mausoleum. Hier fiel mir auf, das innerhalb der Mauern fast keine Geräusche zu hören waren und ich plötzlich eine Gänsehaut bekam. Irgendwie war die Luft auch kälter geworden. Hier wäre ich fast schon davongelaufen vor Furcht, doch ich riß mich zusammen und dachte an meine beiden Hände. Also weiter. Am Eingangstor angekommen machte ich mich auch gleich daran zu schaffen. Fallen scheinen keine vorhanden zu sein. Oh was ist denn das? Eine Bolzenfalle wahrscheinlich vergiftet. Hier wunderte ich mich auch über den guten Zustand des Tores. Für vierhundert Jahre war sie in einem tadellosen Zustand.

Geschafft, die Falle war entschärft und mein Dietrich öffnet problemlos das Schloß. Ich öffne das Tor vorsichtig einen Spalt. Eine Treppe, die führt wohl ins innere. Ich checke noch mal die Gegend bevor ich eintrete. Heller Fackelschein empfängt mich. Ich spanne die Armbrust und stehe jetzt an der Treppe mit zehn Stufen die nach unten führen. Sieht alles harmlos aus. Hier mußte ich jedoch an meine Unterredung mit Sholar denken – tödliche Fallen. Ich kniee mich hin, nehme die Brechstange und klopfte leicht die oberen 4 Stufen ab. Die vierte hört sich hohl an. Genial gemacht. Wer vermutet schon auf einer Treppe eine Falle. Wahrscheinlich eine Stufenfalltür. Ich packe meinen Stab und drücke mit einigem Gewicht auf die fünfte Stufe. Da ein knacken - Stufe 4 bis 9 klappt nach unten. Ich werfe einen Blick hinein. Scheint ziemlich tief runter zu gehen und da ein Zischen - Schlangen. Ich nehme mein Zeug, und springe nach unten mit Hilfe des Stabes auf die zehnte Stufe. Da, ein rollendes knirschendes Geräusch. Stufe 4 bis 9 hat sich wieder in die Treppe eingefügt. Ich blicke in einen etwa 5 m langen Gang, der ebenfalls durch Fackelschein erleuchtet ist und in einen Raum führt. Ich betrachte Wände, Decke und Boden und stelle fest das diese mit quadratischen und rechteckigen Fliesen bemalt sind. Welches Symbol soll ich wählen? Ich nehme die Armbrust und feuere in etwa Mitte des Ganges auf eine quadratische Fliese. Da, ich habe irgendeinen Mechanismus ausgelöst. Eine Art Energieblitz fährt aus der Decke in den Boden. Ich wiederhole die gleiche Prozedur bei einer rechteckigen Fliese. Wieder erscheint ein Blitz, doch diesmal fährt er von links nach rechts in die Mauer. Verdammt, wie soll ich hier weiter kommen? Wenn ich den Gang betrete werde ich etwa in der Mitte gegrillt, entweder von oben oder von der Seite. Es gibt eigentlich nur eine Möglichkeit. Ausgestreckt, müßte ich an der Wand mich entlang ziehen können. Es gibt keine Alternative und ich muß auf mein Glück vertrauen. Ich wähle die linke Seite. Langsam ziehe ich mich vorwärts. Meinen Rucksack habe ich am Seil befestigt. Den hole ich rüber wenn ich drüben bin. Der erste Blitz fährt neben mir in den Boden. Noch 2,5 m. Ein zweiter Blitz diesmal seitlich rast an mir vorbei. Noch ein Meter, dann habe ich es geschafft, als ein weiterer Blitz mich jedoch voll trifft. Aus, das war’s. Ich erwache wieder - leicht angesengt. Anscheinend war ich ohnmächtig gewesen. Warum lebe ich noch frage ich mich? Mein Blick fällt auf den gefundenen Armreif. Er ist zerschmolzen, doch hat er anscheinend den Blitz absorbiert. Glück gehabt! Ich ziehe meine Ausrüstung mit dem Seil langsam zu mir, doch nichts passiert. Ich schaue mich um. Ein schön eingerichteter Raum empfängt mich im Fackelschein. Da ist ja auch der gläserne Sarkophag und ich fange an zu grinsen. Daneben steht eine kleine Kiste und eine riesige steinerne Schlange. Scheiße, verdammt groß. Es ist klar was passiert, wenn ich mich dem Sarkophag nähere denke ich mir. Die Steinschlange wird erwachen und mich angreifen. Ich muß das Vieh austricksen. Da fällt mir der Mungo ein, vielleicht kann er mir helfen. Mist, der Blitz hat ihn geröstet, aber besser ihn als mich. Ich muß das Vieh grillen. Am besten die Flaschen auf ihn werfen und anzünden. Ich zünde eine Fackel an. Ich ziele und werfe die erste Flasche. Treffer! Doch nichts passiert. Der Alkohol läuft harmlos an der Schlange herunter. Die Zweite werfe ich direkt vor sie. Jetzt die Fackel hinterher. Die steinerne Schlange beginnt zu brennen. Ich packe zwei Wurfdolche und bewege mich zum Sarkophag. Da ein infernalisches Zischen. Die Schlange ist erwacht und kommt direkt auf mich zu. Ich werfe beide Dolche. Der eine trifft, doch der andere geht vorbei. Mistvieh denke ich noch und ziehe meinen dritten und vierten Dolch. Da kommt die Schlange auch schon angesprungen mit geöffnetem Maul. Ich kann nadelspitze Giftzähne erkennen und aus ihren Augen scheint Feuer zu sprühen. Du oder ich und springe ebenfalls auf sie zu mit beiden Dolchen voran. Meine Dolche bohren sich in den Körper der Schlange, während ihr Biß meinen Lederpanzer trifft. Sie schlingt ihren Körper um mich um mir jeden einzelnen Knochen zu brechen, während ich wie ein Besessener auf sie einsteche und versuche ihren Giftzähnen zu entkommen. Da ein Zucken durchläuft ihren Körper. Hat mein Betäubungsmittel doch noch gewirkt und ramme ihr einen Dolch direkt in den Schädel. Langsam befreie ich mich von ihrem Körper. Jeder Knochen tut mir weh. Ich untersuche mich etwas genauer. Zwei Rippen gebrochen ergal, ich beiße die Zähne zusammen und begebe mich zum Sarkophag. Sie sieht vollkommenen erhalten aus, wie ich die Frau im Sarkophag betrachte, als ich plötzlich eine Stimme in meinem Kopf höre. "Befreie mich und ich werde dich reich belohnen" "Du hast meinen Wächter getötet und nun öffne den Sarkophag damit ich endlich Erlösung finde." Ich hole meinen Glasschneider heraus und will gerade anfangen als ich erneut ihre Stimme höre. "Lösche zuerst die Runen mit dem Blut der Schlange oder du wirst sterben." Gesagt, getan. "Endlich frei" höre ich "Du hast mir sehr geholfen Sterblicher." "Dafür soll dir ein Wunsch gewährt sein ." Ich weiß nicht so recht, was ich sagen soll, doch da erinnerte ich mich daran wie einige Leute vor irgendwelchen Magiern einen Heidenrespekt gehabt hatten und ich stottere "Magier möchte ich sein". "Dein Wunsch sei mir Befehl." Ein Blitz erhellt den Raum und als ich wieder sehen kann, ist der Sarkophag leer und auf dem Boden finde ich ein Buch. Ich öffne es und komischer weise kann ich die darin enthaltenen Formeln lesen und verstehen. So geht das also murmle ich und spreche den Zauber Tensers Schwebende Scheibe und Unsichtbarkeit. Die Scheibe erscheint. Ich kann es kaum glauben, packe die kleine Kiste und schwebe nach oben Richtung Ausgang. Oben angekommen – es ist immer noch Nacht, höre ich plötzlich ein Beben und Knirschen hinter mir. Das Mausoleum fällt zusammen. Zuhause öffne ich die kleine Kiste. Sie ist randvoll mit Goldmünzen gefüllt. Hier hält mich nichts mehr, denke ich. Das Diebespack hält mich bestimmt für Tod nach Einsturz des Mausoleums. Endlich kann ich diese Stadt verlassen und mein Glück in der Ferne suchen. Doch irgendwann werde ich zurück kehren und mein eigenes kleines Geschäft aufziehen, wenn ihr versteht was ich meine.

Drachenflug

Geschrieben von Dark Moon

"Mom, was flog da eben vorbei?" "Das war ein Adler Mikesch." seufzte seine Mutter. "Ein Adler? Ich hätte schwören können, dass es ein Drache war." sagte Mikesch und schnitzte an seinem Stück Holz weiter. "Oh Mikesch, ein Drache." Seine Mutter schüttelte den Kopf, was Mikesch natürlich nicht sah, denn Mikesch war seit seinem zwölften Lebensjahr blind. "Ich wünschte du würdest endlich diese Flausen aus deinen Kopf bekommen. Ein Drache, du solltest wirklich langsam einsehen, dass es keine Drachen mehr gibt. Sie sind seit mehreren hundert Jahren ausgestorben und sie werden auch nicht für dich wieder lebendig." Sie sprach mit ihm als wäre er ein kleines Kind, dabei war er schon fünfundzwanzig. Mikesch ärgerte sich über diese Behandlung, aber er würde eher sterben, als dass er seinen Ärger zuzugeben würde, denn wenn er eines gelernt hatte dann war es niemals seinen Ärger zu zeigen. Er hatte leider erfahren müssen, dass wenn Leute wie er, die irgendeine Behinderung hatten ihren negativen Gefühlen freien lauf liessen schnell als griesgrämig oder zynisch verschrienen waren. Deshalb sagte er lächelnd: "Oh Mom, wie engstirnig du doch manchmal bist. Nur weil man etwas mehrere Jahre nicht sieht heisst das doch nicht, dass es ausgestorben ist." "Mikesch, du bist ein Träumer. Drachen gibt es nicht und damit basta." Seine Mutter drehte sich um und liess ihn allein, allein mit seinen Gedanken. Mikesch fuhr fort eine Figur aus dem Stück Holz zu schnitzen, denn obwohl er blind war gab es zwei Sachen in seinem Leben die er konnte wie nur wenige, das erste war eine gerade zu meisterhafte Begabung im Schnitzen, er konnte aus jeden Holz jede beliebige Figur schnitzen, das zweite war eine nicht weniger meisterhafte Begabung im Laute spielen, er spielte was ihm einfiel und fast jede seiner Melodien war ein kleine Symphonie. Er befühlte noch einmal die Figur, sie stellte ein aufbäumendes Einhorn da. Mikesch stellte sich vor wie das Einhorn sich bewegte, wie es voll Lebensfreude durch den Wald lief, es tat ihm fast leid, dass er ein so herrliches Geschöpf in eine starre Figur bannte, aber, sagte er sich selbst, in seiner Phantasie war es frei und lebendig. Für jemanden der sich die Figur genauer ansah schien es tatsächlich so als ob das Einhorn jeden Augenblick davon springen könnte, wenn es wolle. "Hallo Mikesch, na ist meine Figur fertig?" "Ja, gerade eben ist sie fertig geworden Taron, ich glaube sie ist recht gut geworden." antwortete Mikesch und reichte Taron das Einhorn. Taron war einer der wenigen die mit Mikesch redeten, die meisten ignorierten Mikesch, aber Taron war immer nett zu ihm. Er kam oft vom Dorf herauf nur um sich mit Mikesch oder seiner Mutter zu unterhalten. Taron war, seit Mikesch durch eine schwere Krankheit sein Augenlicht verloren hatte, sein einziger Freund, deshalb hatte Mikesch Taron auch angeboten eine Figur ganz nach seinen wünschen zu schnitzen. "Mikesch, die ist ja wunderschön, es sieht wirklich lebendig aus, wie machst du das bloss. Jeder Schnitzer den ich kennen würde alles geben was er besitzt nur um so einen Arbeit zu vollbringen, es ist ein Wunder, du bist wirklich von den Göttern gesegnet." Mikesch lächelte ein wenig traurig. "Gesegnet oder verflucht, das ist die Frage. Machen sie sich lustig über mich oder halten sie schützend ihre Hand über mich? Ein Krüppel der kleine Wunder vollbringt, das ist doch schon ein Witz an sich oder nicht?" "Nein, das ist kein Witz, das ist etwas besonderes, Mikesch, du bist etwas besonderes." Taron schwieg und betrachtete das Einhorn. "Was möchtest du dafür haben?" "Gar nichts, ich habe doch gesagt, dass ich es dir schenke, ich will dafür nichts haben." Mikesch lächelte glücklich in die Richtung in der er Taron vermutete. "Ich möchte dir aber etwas dafür geben, was ist dein grösster Wunsch?" "Mein grösster Wunsch," Mikesch lächelte versonnen. "mein grösster Wunsch wäre einmal auf einem Drachen zu reiten." "Auf einem Drachen reiten, du bist verrückt, es gibt keine Drachen. Was wäre denn dein zweiter Wunsch?" "Mein zweiter Wunsch? Ich weiss nicht, ich glaube ich habe keinen, aber es gibt noch zwei Sachen die ich in meinem Leben erreichen möchte." "Und was sind das für Sachen?" Taron kniete sich vor Mikesch hin und sah ihn erwartungsvoll an. "Ich möchte eine Melodie für die Tochter des Drachenherren spielen und für den Drachenherren selbst möchte ich eine Figur schnitzen." Taron sah Mikesch an als ob er den Verstand verloren hätte. "Mikesch du bist wirklich verrückt. Bist jetzt habe ich immer geglaubt das die Dorfleute grausam zu dir sind weil sie nicht mit dir reden, ich dachte immer sie übertreiben wenn sie mir erzählten wie seltsam du bist. Aber jetzt sehe ich das da doch was wahres dran ist. Ich glaube, ich lass dich jetzt mal alleine, dann kannst du in Ruhe darüber nachdenken was du für das Einhorn haben möchtest." Taron drehte sich um und verliess Mikesch ohne sich auch nur einmal umzudrehen. Mikesch blieb allein mit seinen Gedanken. -Bin ich denn wirklich so seltsam? Erst nennt Mom mich einen Träumer und jetzt sagt Taron auch noch ich wäre verrückt. Täuschen sie sich oder bin ich es der sich täuscht? Gibt es wirklich keine Drachen? Aber ich habe sie doch gehört, wie sie mit ihren Flügeln schlagen, wie sie brüllen und schnauben. War das alles denn nur Einbildung? Was ist mit dem Drachenherren? Gibt es ihn auch nicht? Denn Herren aller Drachen soll es nicht geben, das ist unmöglich, wie oft habe ich des Nachts sein Horn gehört, das Horn welches alle Drachen zusammen ruft. Sollte das alles nur eine Illusion gewesen sein? Ein Produkt meiner Fantasie- Mikesch's Gedanken wirbelten durcheinander, er griff zu seiner Laute, welche immer in seiner Reichweite lag, und begann zu spielen. Er spielte eine Melodie die seine aufgewühlten Gefühle widerspiegelte. Lange Zeit sass er da und spielte bis er von einer Stimme unterbrochen wurde. "Ein sehr schönes Stück, wie heisst es?" Kam eine Stimme aus den Nichts, Mikesch erschrak. "Wer ist da?" fragte Mikesch und wand sich in die Richtung aus der die Stimme gekommen war. "Mein Name ist Selena, ich bin die Nichte von Joka, dem Hufschmied. Aber warum fragst du? Wir sind uns doch erst letzte Woche im Dorf begegnet." "Oh...., hat man es dir nicht gesagt? Ich bin blind." Mikesch war sich sicher, dass sie spätestens jetzt wusste mit wem sie es zu tun hatte und er war sich ebenso sicher, dass sie sich umdrehen und weggehen würde, ohne auch nur noch ein Wort zu ihm zu sagen. Zu seiner Überraschung sprach die Stimme aber wieder zu ihm. "Du bist Mikesch, hab ich recht? Du bist der den sie in Dorf nur den Verrückten nennen." Sie verstummte abrupt als sie sah wie sich Mikesch's Gesichtsausdruck veränderte. "Entschuldige, ich wollte das nicht so sagen... ich meine, es war nicht so gemeint wie es sich angehört hat, ich..." Selena verstummte ganz und sah ihm hilflos an, dann fiel ihr ein das er es ja nicht sehen konnte, sie begann verlegen von einem Fuss auf den anderen zu treten. -Was mach ich jetzt bloss? Ich kenne ihn nicht und beleidige auch noch mit meinem unüberlegten Gequatsche und als ob das nicht reichen würde bringe ich nicht einmal eine vernünftige Entschuldigung raus.- Mikesch hatte den Kopf schief gelegt und schaute sie mit seinen blinden Augen an. Er musste über ihre gestammelten Wort lächeln. Wie lange war es her, dass sich jemand, den er nicht kannte, bei ihm entschuldigte? Bei denen die er kannte war es schon Urzeiten her. "Es ist schon in Ordnung. Es ist nicht deine Schuld, ich weiss wie die Leute aus dem Dorf über mich denken. Für sie bin nur ein Verrückter, eine Spinner, sie kommen nur zu mir wenn ich etwas für sie schnitzen soll. Du kannst nichts dafür, du hast nur die Wahrheit gesagt, daran ist nichts schlechtes es ist sogar gut, nur wenige trauen sich anderen die Wahrheit direkt ins Gesicht zu sagen. Das Stück, welches ich eben gespielt habe, heisst übrigens "Spiegel meiner Seele."" Er hörte wie Selena immer noch unruhig mit den Füssen im Sand scharrte. "Du darfst dich ruhig zu mir setzen, ich verspreche dir auch das ich dir nichts tun werde und meine allgemein bekannte Verrücktheit ist garantiert nicht ansteckend." sagte Mikesch ironisch, mit einer einladenden Geste. Selena war immer noch unsicher, setzte sich aber schliesslich doch zu ihn hin. "Spiegel meiner Seele, ein trauriger Name für so ein wunderschönes Stück, aber es passt, denn das Stück klang irgendwie auch sehr traurig, von wem ist es?" "Es ist von mir, es ist eines meiner Lieblingsstücke." "Es ist von dir! Aber wie kannst du denn so etwas..." Selena verstummte wieder, sie wusste das sie schon wieder gefährlich nah dran gewesen war etwas falsches zu sagen. "Du willst wissen wie ein Blinder solche Musik zustande bringt." Selena erschrak, sie fühlte sich schlecht weil sie Mikesch zweimal in so kurzer Zeit verletzt hatte. Mikesch bemerkte ihr zusammen schrecken und hob beruhigend die Hände. "Du brauchst keine Angst zu haben, ich bin dir nicht böse. Es war nur eine logische Frage die man jedem Musiker stellen könnte, nur weil ich blind bin heisst das doch noch lange nicht das ich zu nichts tauge." "Das wollte ich auch nicht damit gesagt haben..." "Ich weiss, lass mich ausreden. Du musst wissen ich war nicht immer blind, mit zwölf bekam ich eine schwere Lungenentzündung. Da es aber nicht sofort bemerkt wurde und dem zufolge auch nicht richtig behandelt, wurde ich blind. Aber vorher habe ich ein ganz normales Leben geführt. Mein Vater war Musiker, er brachte mir das Laute spielen bei. Mein Großvater schnitzte viel und so lernte ich es von ihn. Als ich dann blind wurde dachte ich mein Leben sein vorbei, Monate lang vegetierte ich einfach so vor mich hin, bis mir etwas einfiel was mein Großvater immer gesagt hatte, er hatte immer gesagt - dein Leben ist erst vorbei wenn du in der Kiste liegst und keine Minute früher, wenn du auf den Hintern fällst dann sieh zu, dass du so schnell wie möglich wieder auf die Füsse kommst, denn nur du selbst kannst dafür sorgen, dass es dir gut geht und niemand sonst. Ich sah ein das er recht hatte und ich begann mich wieder für das Leben zu interessieren, ich fing wieder an Laute zu spielen und zu schnitzen, es war nicht einfach, aber wer hat je behauptet das Leben wäre einfach? Heute bin ich der beste Schnitzer weit und breit und ein recht guter Musiker. Aber die Leute aus dem Dorf verachten mich trotzdem oder vielleicht gerade deshalb." Mikesch zuckte mit den Schultern. Er hatte seine Geschichte ohne jedes Gefühl vorgetragen, Selena konnte nicht erkennen welche Gefühle er unter dieser beherrschten, ruhigen Oberfläche verbarg. "Was für eine traurige Geschichte, jetzt verstehe ich warum deine Melodie so traurig war." Einer Eingebung folgend ergriff sie seine Hand. Mikesch zuckte zusammen und wollte ihr seine Hand entziehen. Seit er blind war hatte es nie eine so vertrauliche Berührung gegeben, ausser mit seiner Mutter. Nicht einmal Taron, der ja eigentlich sein Freund war, hatte es nie zu so einer vertraulichen Geste kommen lassen, jetzt stellte sich Mikesch die Frage warum das so war und wieso gerade ein fremdes Mädchen Verständnis für ihn und seine Lage aufbrachte. Selena hielt seine Hand fest, obwohl er noch einmal, recht halbherzig, versuchte seine Hand der ihren zu entwinden. "Warum willst du mir deine Hand nicht lassen?" "Ich weiss nicht." Er wand den Kopf, so dass sie sein Gesicht nicht mehr sehen konnte. "Ist es dir unangenehm wenn ich deine Hand halte." fragte Selena ihn. "Nein, wieso sollte es?" antwortete er, sah sie aber immer noch nicht an. Selena seufzte und gab seine Hand frei. "Ich glaube ich geh' jetzt besser, mein Onkel hatte mich nur hergeschickt um euch zu warnen, es sind Eisreiter gesichtet worden." Selena erhob sich bemerkte aber Mikesch's trauriges Gesicht, welches er immer noch von ihr abgewannt hielt. -Er sieht so traurig aus, ich glaube das er mehr Gefühle versteckt als er preis gibt. Die Dorfleute müssen ihn sehr schlecht behandelt haben. Das ist der einzige Grund der mir einfällt, das würde sein seltsames Benehmen erklären- dachte Selena traurig und wischte sich eine Träne ab, die ihr über die Wange rollte während sie sich in leuchtenden Farben ausmalte wie die Dorfleute Mikesch wohl all die Jahre behandelt hatten. Sie selbst war erst vor zwei Wochen in das Dorf gekommen, nachdem ihre Eltern an Sumpffieber gestorben waren, daher wusste sie nicht wie grausam die Dörfler wirklich mit Mikesch umgegangen waren. Sie wusste nicht das er nur der Tatsache das sein Großvater Bürgermeister des Dorfes gewesen war sein Leben verdankte, würde er nicht aus einer angesehenen Familie stammen hätten die Dörfler ihn kurzer Hand umgebracht, nachdem bekannt wurde das er blind war. -Jetzt habe ich sie wahrscheinlich für immer verschreckt, sie die einzige die sich anscheinend etwas aus mir gemacht hat, die einzige die nett zu mir war nachdem sie erfahren hat das ich blind bin und ich Idiot muss das alles zerstören, nur weil ich angst vor ihrer Zuneigung habe, weil ich ihr Mitleid nicht will- In Mikesch's Augen sammelten sich Tränen, sein Herz wurde schwer als er daran dachte das er die zarte Freundschaft eines Mädchens verloren hatte das ihm mehr Verständnis entgegen brachte wie noch nie jemand vor ihr. Selena sah seinen Schmerz und deutete ihn richtig, sie verstand ihn auf eine Weise wie kein anderer, sie fühlte das ihre Seelen einander ähnlich waren. Sie wusste wie einsam er sich fühlte. "Möchtest du morgen mit mir in den Wald kommen, ich wollte Pilze sammeln." fragte sie ihn vorsichtig und berührte leicht seine Schulter. Er wandte sich zu ihr und haucht: "Ja, das möchte ich." "Gut, dann hole ich dich morgen früh hier ab." "Nein, es wäre besser wenn wir uns an den großem Stein am Waldrand treffen würden." Selena nickte, dann fiel ihr auf wie unsinnig diese Bewegung war, da Mikesch sie ja nicht sehen konnte, deshalb beeilte sie sich zu sagte: "Ja ist gut. Dann bis morgen früh am Waldrand. Ich werde da sein wenn die Sonne den Morgentau vertrieben hat." Mikesch nickte und Selena wand sich zum gehen. "Selena?" rief Mikesch ihr nach. "Ja?" "Es... es w"re vielleicht besser wenn du es deinem Onkel nicht erz"hlst das du mit mir in den Wald gehst." sagte Mikesch ernst. "Das hatte ich auch nicht vor, wer weiss, wo möglich schickt er uns dann noch seine Hunde hinterher um sicher zu sein das mir auch nichts passiert." Selena lachte auf, dabei war ihr eigentlich nicht nach Lachen zu mute. Denn sie wusste, wenn ihr Onkel erfahren wrde das sie mit Mikesch im den Wald wollte, dann wrde er sie verprgeln und warscheinlich mehrere Wochen nicht mehr aus dem Haus lassen. Selena verliess Mikesch. Nachdem sie gegannen war griff er wieder zu seiner Laute und begann zu spielen, er fhlte sich so glcklich wie schon seit Jahren nicht mehr. Als die Sonne unter ging spielte er immer noch, als seine Mutter ihn schliesslich ins Haus holte hatte er fr Selena ein eigenes Lied komponiert. Er wurde es ihr morgen vorspielen. Fr Mikesch brachen jetzt schöne Zeiten an, er traf sich so oft es ging mit Selena, ihre Freundschaft war inzwischen so tief geworden dass sie durch nichts mehr zu erschttern war, es h"tte immer so weiter gehen können aber dann eines Tages, der Winter neigte sich dem Ende zu, geschah etwas was ihr Leben völlig aus der Bann werfen sollte. Sie waren jetzt seit zwei Monaten eng befreundet und hatten ihr Jubil"um mit einem Waldspaziergang gefeiert, als sie aus dem Wald heraus traten merken sie sofort das irgendetwas nicht stimmte. Die Luft roch schwer nach verbrannten Holz, ohne etwas zu sagen begannen beide schneller zu gehen, so schnell wie Mikesch gerade konnte ohne zu strzen. Als sie um die Wegbiegung kamen und das Dorf in Sicht kam stiess Selena einen Schrei aus. "Selena, was ist? Was siehst du?" fragte Mikesch und zwang sie ihn anzusehen. "Das... das Dorf." stammelte sie "Was ist mit dem Dorf, sagt es mir." verlangte Mikesch "Es ist abgebrannt, alles ist niedergebrannt, ich muss nach meinem Onkel und meiner Tante sehen." Selena riss sich von ihm los und rannte zum Dorf. "Selena warte." rief er ihr nach, doch sie hörte ihn nicht. Als er schliesslich das Dorf erreichte hörte er sie schluchzen, er ging zu ihr. "Selena? Selena, was ist hier passiert?" "Alle sind tot, es waren die Eisreiter." "Die Eisreiter, bist du dir sicher? Der Winter war nicht besonders hart, wieso sollten sie also jetzt wo der Winter zu Ende ist uns heim suchen?" fragte er Selena zweifelnd "Oh Mikesch, wenn du das dorf sehen könntest dann wrdest du nicht solche Fragen stellen. Es waren die Eisreiter, nur sie töten so abzulut gnadenlos, so grausam. Alle Vorr"te sind weg und das was sie nicht mitnehmen konnten haben sie verbrannt. Die Spuren sind eindeutig, sie haben einige Waffen zurck gelassen, glaub mir sie waren es." "Sind alle tot?" flsterte Mikesch "Ja alle, es gibt in diesem Dorf kein leben mehr. Was machen wir jetzt?" Selena schaute verzweifelt zu Mikesch hoch. "Wir mssen hier weg?" antwortete er ihr ruhig "Weg? Ja wohin denn? Ich habe keine Verwandten mehr und ich dachte du auch nicht." "Habe ich auch nicht, aber jetzt wo mich hier nichts mehr h"lt werde ich versuchen mir meinen grossen Traum zu erfhlen, aber erst werden wir die Toten beerdigen." sagte Mikesch leise und wand sich. "Wo willst du hin?" "Ich muss nach meiner Mutter sehen." Die Worte hatten sich völlig seelenlos angehört, aber Selena sah die Tr"nen die ihm ber das Gesicht liefen und da wusste sie das hinter seiner gefhllosen Gerede eine grosse Trauer steckte. "Mikesch was ist dein grösster Wunsch?" fragte sie ihn vorsichtig "Einmal auf einen Drachen zu." kam eine tonlose Antwort von Mikesch. "Ja das ist gut," Selena nickte "ich werde dich begleiten." Aber Mikesch hörte sie nicht mehr, er war mit seinem Gedanken bei seiner Mutter, die seit Jahren seine einzige Bezugsperson und die war ihn jetzt genommen worden. Drei Tage sp"ter verliesen sie das Dorf in Richtung Sden. Sie hatten beschlossen in die Richtung zu gehen weil Mikesch glaubte das von dort die Ger"usche gekamen waren die er manchmal N"chts hörte. Sie blieben in jedem Dorf mehrere Tagen und liessen sich jede Geschichte ber Drachen erz"hlen die die Bewohner zu erz"hlen hatten. Die meisten Geschichten kannten sie, wenn auch manchmal etwas anders, aber in grossen und ganzen waren es Geschichten die sie aus ihren Kindertagen kannten. Es war eine mhsamme, entt"uschende Suche nach etwas was es ganz anscheinend wirklich nur in Geschichten gab die man sich Abends am Kamin erz"hlte. "Das bringt doch alles nichts, die einen sagen das die Drachen in tiefsten Norden leben andere sagen das sie im Sden leben, jeder sagt was anderes. Als ich gesagt habe ich begleite dich habe ich nicht damit gerechnet, dass das so sein wrde. Was machen wir jetzt?" Selena's Verzweiflung war verst"ndlich, die warme Jahreszeit neigte sich dem Ende zu und noch immer hatten sie die Drachen nicht gefunden. "Ich weiss nicht was wir machen, aber ich werde wohl ins Landinnere gehen, in die Richtung der heiligen Berge." Mikesch stand an Fenster mit den Rcken zu Selena, die auf dem Bett sass, er wollte nicht das sie seine Tr"nen sah, er fhlte sich schuldig weil er sie davon abhielt ein normales Leben zu fhren. Er liebte sie seit langen und wollte sie nicht verlieren, aber er merkte das sie unter den st"ndigen rum reisen liet. Selena war fr ein Vagabundenleben nicht geschaffen. Mikesch glaubte das sie nur bei ihm blieb weil sie sich fr ihn verantwortlich fhlte, aber er wollte ihr Mitleid nicht. Mikesh war sich sicher, dass das was Selena fr ihn fhlte nur Mitleid war, so lieb sie auch war er konnte sich nicht vorstellen das es mehr war, denn wer wrde schon einen Krppel lieben? "Was ist mit mir? Willst du mich nicht mehr bei dir haben?" Selena versuchte mit aller Macht ihrer Stimme einen festen Klang zu geben, denn sie wusste das Mikesch jedes schwanken in ihrer Stimme bemerken wrde. Selena du musst das verstehen, ich kann dich nicht mitnehmen. Es ist ein weiter, anstrengender Weg und es warscheinlich gef"hrlich werden." "Ja aber wo soll ich denn hin?" Selena's Stimme war nur noch ein flstern. Sie war verwirrt und fhlte sich als ob in ihr etwas zerriss. -Was habe ich ihn denn getan? Soll das jetzt das Ende unseres gesammen Weges sein? Oh Mikesch, warum machst du das? Ich dachte du wrdest mich wenigstens ein wenig mögen.- dachte Selena traurig. "Selena ich ..." Mikesch sprach nicht weiter ihm fehlten die Worte. -Bitte, bitte sag' nichts mehr. Wenn du weiter redest machst du es fr uns beide nur noch schwerer.- flehte er innerlich "Mikesch warum? Sag mir nur warum." Selena starrte auf Mikesch's Rcken, er aber tat so als h"tte er sie nicht gehört, er hielt sein Gesicht weiter hin von ihr abgewand und lauschte dem Regen der heftig gegen die Scheibe schlug. "Rede mit mir, sag mir ganz klar und deutlich das du mich nicht mehr bei dir haben willst, los sag es mir ich werde dich nicht eher verlassen als bist du es mir gesagt hast." Mikesch schttelte den Kopf. "Das kann ich nicht." "Warum nicht?" "Wrde ich dir sagen das ich dich nicht bei mir haben wollte wrde ich dich anlgen." antwortete Mikesch und gab sich geschlagen. "Wie meinst du das jetzt scon wieder?" "Selena ich wrde mich freuen wenn du moch weiter begleiten wrdest." murmelte Mikesch "Ja aber wieso tust du dann so als ob du mich nicht mehr bei dir haben willst?" fragte Selena jetzt war sie völlig verwirrt. "Sieh mal, ich weiss das dir dieses Leben nicht gef"llt, dieses ewige herrum gereisen, nie lang an einem Ort bleiben. Ich wollte dich nicht an mich ketten, verstehst du? Weisst du wann du das letzte mal richtig gelacht hast? Ich weiss es nicht. Ich wollte dir doch nur die Change geben wieder der Mensch zu werden der du einmal warst. Damals als wir unser Dorf verliessen, weisst du noch? Trotz der Trauer in deinem Herzen konntest du ber jeden Kleinigkeit lachen und heute... Selena glaube nicht das nur weil ich dich nicht sehen kann ich deine Gefhle nicht bemerke. Vielleicht bemerke ich gerade weil ich nicht sehen kann deine Gefhlsschwankungen eher als jeder andere." Selena dachte ber die gerade gehörten Worte nach, sie wunderte sich das Mikesch ihr eine so gefhlsbetonte Rede gehalten hatte. Es war nicht nur ungewöhnlich fr ihn es war schlicht absurt. Mikesch der grösste Verstecker der Gefhle hielt ihr eine Rede in der es nur um Gefhle ging, seltsam. "Ich glaube dir das du mir meine Gefhle an merkst. Aber das ist nicht der wahre Grund, da steckt mehr dahinter. du verheimlichst mir etwas, sag mir was ist." Selena merkte wie Mikesch sich versteifte und wusste das sie den richtigen Punkt getroffen hatte. Jetzt war es nur noch eine Frage der Zeit bis er ihr die Wahrheit oder ein Faust dicke Lge erz"hlen wrde. Selena sprte beinahe wie sich das Band, welches ihre Seelen miteinander verband, spannte. Sie fhlte wie er innerlich mit sich rang. Mikesch hatte sich zu ihr gewand, sagte aber nichts. Ausser dem Regen der rythmisch gegen die Scheibe schlug war alles still. Schliesslich hollte Mikesch tief Luft. "Allso gut du willst es ja umbedingt wissen. Ich will nicht das du bei mir bleibst nur weil du glaust das ich allein nicht klar komme und schon garnicht will ich dich bei mir haben, wenn dein bei mir bleiben irgendetwas mit Mitgefhl zu tun haben, verstehst du das?" Mikesch regte trotzig das Kinn. Selena sprag empört auf. "Wie kannst so etwas behaupten?" Wtend schmiss sie ein paar Holzscheite in den Kamin, etwas zu heftig denn Funken flogen in alle Richtungen, mehrere landeten auf ihren Rock und brannten Löcher hinein, einige fielen auf ihre nackten Arme. "Verdammt!" Selena schlug nach den Funken, aber da war Mikesch auch schon bei ihr und nahm sie in die Arme. "Mein kleines Feuerkind, ist es schlimm?" Selena wollte sich in seine Arme kuscheln bis der Schmerz den die Funken hinterlassen hatten auf hörte, aber dann fiel ihr ein was er gerade gesagt hatte. Er hatte ihr vorgeworfen das sie nur aus Mitleid bei ihn blieb und ihr Zorn flammte von neuen auf. Sie st"mmte die H"nde gegen seine Brust und entwand sich seinen Armen. "Wie kannst du es wagen mir soetwas zu unterstellen? Glaust du tats"chlich das ich durch dieses gottverdammte Land ziehe,von Dorf zu Dorf, bei Wind und Wetter nur weil ich Mitleid mit dir habe? Was bildest du dir eigentlich ein? So hilflos bist du nun auch wieder nicht, als dass ich mich st"ndig um dich haben msste um aufzupassen das dir nichts passiert. Ich bin weder fr dich verantwortlich noch sonst irgendetwas. Ist dir vielleicht schon mal der Gedanke gekommen, das ich bei dir geblieben bin weil ich dich mag? Nein? Dann tust du mir wirklich leid. Es ist wohl wirklich das Beste, wenn du von nun an ohne mich weiter gehst." Mit diesen Worten verliess Selena das Zimmer und liess Mikesch alleine zurck. Mikesch stand lang Zeit da und konnte keinen klaren Gedanken fassen. -Was habe ich bloss getan? Wie konnte ich nur so grausam zu ihr sein? Dem einzigen Menschen der die ganze Zeit zu mir gehalten hat. Was soll ich jetzt nur tun?- Als er sich ein wenig gefasst hatte nahm er seine Laute und ging in den Schankraum um den anderen G"sten etwas vorzuspielen wie er es jeden Abend tat. Er spielte Selena's Lied und hoffte das sie in Raum war, es hörte und ihn verzieh. Eine Woche lang ging das so, Mikesch gab die Hoffnung nicht auf dass Selena doch noch zu ihm zurck kam, dann eines Abends. "He, du blinder Spielmann, deine kleine Freundin ist schon lange weg, wann verschwindest du denn endlich?" fragte Mikesch ein agressive Stimme. "Selena ist weg? Wo ist sie denn hin?" Die Stimme lachte. "Hat die Ssse etwa endlich gemerkt, dass das Leben mit einen Krppel doch nicht die Erfllung ihrer Tr"ume ist?" Andere Stimmen stimmten in das Gel"chter. Es wurden andere Stimmen laut die ebenfalls Nettigkeiten in der Art vorbrachten. Mikesch wollte dem Raum verlassen, aber eine grobe Hand hielt ihn fest und lachte ihm ins Gesicht. Mikesch versuchte sich zu befreien, aber der rohe Gewalt des anderen hatte er nichts gegen zu setzen. "Lass ihn sofort los!" Liess sich eine Stimme vom anderen Ende des Raumes vernehmen. "Wer bist du Weib, das du dir so eine Dreistigkeit erlauben kannst?" fragte die Stimme, welche zu der Hand gehörte die Mikesch immer noch eisern fest hielt. "Du schmieriger Wurm willst wissen wer ich bin? Nun gut dann stell' mal deine Ohren weit auf. Ich bin Grazil, die Frstin des Waldes und Herrscherin ber alle Tiere, reicht das als Erkl"rung?" Es war still geworden im Raum, Mikesch sprte wie sich der Mann, der ihn eben noch erbarmungslos geschttelt hatte, versteifte, er hörte das sich die Menge teilte um, so glaubte er, die Frau durch zu lassen, die eben ihre Stimme zu seinen gunsten erhoben hatte. Als sie fast bei ihm angekommen war glaubte Mikesch ein Leuchten war zu nehmen. Er schttelte den Kopf um diese Sinnest"uschung los zu werden, aber sie blieb. Er sah tats"chlich mit seinen blinden Augen ein Leuchten, welches, so vermutete er, von der Frau ausging. "L"sst du ihn jetzt endlich los? Oder muss ich nach helfen?" "Nein Herrin, ich meine ja Herrin." Mikesch fhlte wie die Hand von ihn abliess und der Geruch nach Schweiss und Pferdemist, den der Mann verbreitet hatte, ein wenig nach liess. "Alles in Ordnung?" fragte Grazil, Mikesch konnte nur nicken, er war zu verwirrt um zu sprechen. Wer war diese Fremde, die solche Macht ber die Menschen hier hatte. Er hatte noch nie von einer Herrin des Waldes gehört. Grazil liess ihn auch keine Zeit darber nachzudenken. "Du kommst am besten mit mir." "Aber ich kann hier nicht weg, was ist wenn Selena wieder kommt?" fragte Mikesch erschrocken. "Sie wird nicht kommen." "Was? Wie meinst du das?" fragte er und folgte ihr nach draussen. "Ganz einfach, sie ist bei mir. Ich fand sie vor zwei Tagen im Wald, sie hatte giftige Beeren gegesen und ist sehr krank. Sie hat hohes Fieber, in ihrem Fiebertr"umen spricht sie immer wieder von jemanden names Mikesch und davon wie leid es ihr tut, dass sie ihn im Stich gelassen hat. Deshalb bin ich hier, normalerweise halte ich mich von den Menschen fern, aber ich glaube, dass dieses M"dchen, welches du Selena nennst, eher gesund wird wenn du bei ihr bist. Du bist doch Mikesch oder?" Mikesch konnte sich gut vorstellen wie Grazil die Augenbraun hochzog und ihn musterte. Wahrscheinlich berlegte sie sich gerade jetzt was Selena wohl an ihm fand. "Ja, ich bin Mikesch. Aber wer bist du." Er sah wie das Leuchten,welches von Grazil ausging, sich zu ihn umdrehte. Mikesch blieb stehen und machte einen Schritt zurck als das Leuchten auf ihn zu kam. "Ich bin Grazil, die Herrscherin ber die W"lder die du hier siehst und ber jedes Tier das in ihnen lebt." antwortete Grazil, eindeutig berrascht ber seine Frage. "Ich sehe keine W"lder." murmelte Mikesch "Du siehst keine W"lder?" fragte Grazil schockiert. Mikesch schttelte den Kopf. "Du bist blind." Das war keine Frage sondern eindeutig eine Feststellung. Mikesch nickte. "Dann bist du der Verrckte der umbedingt auf einem Drachen reiten will." Auch dies war keine Frage sondern eine Feststellung. "Ich habe von dir gehört." Obwohl Mikesch an solche Worte gew"hnt war, zuckte er zusammen, er hatte nicht erwartet, dass die Herrscherin ber die W"lder solche Worte an ihn richten wrde. "Ja, ich will auf einen Drachen reiten." sagte er mit einer Stimme, die so hoffte er fest und unpers"nlich klang. Grazil nickte. "Darber können wur uns sp"ter unterhalten. Gib mir deine Hand." "Was hast du vor?" Aber noch w"hrend er seine Frage stellte merkte er das sich due Welt um ihn herum ver"nderte, ein Kibbeln durchlief seinen Körper. Als das Gefhl nachliess roch er nicht mehr die klare, frische Waldluft sondern eine warme Luft die stark nach Rauch roch. "Wo sind wir?" "Wir sind in meiner Htte." "Wie sind wir hier her gekommen?" "Das ist nicht so einfach zu erkl"ren, aber soviel kann ich sagen, innerhalb "meiner" W"lder habe ich gewisse Kr"fte. Sie haben uns hergebracht." Mikesch nickte obwohl er nichts von dem verstand was Grazil da sagte. "Wo ist Selena?" "Komm ich bring dich zu ihr." Das Leuchten griff erneut nach seiner Hand und fhrte ihn in den angrenzenden Raum. "Hier ist sie, setz dich ans Bett aber sei leise sie schl"ft, wenn du was brauchst ich bin im Nebenraum." Mit diesen Worten liess sie ihn allein. Einige Minuten sass er einfach nur da, unschlssig was er tun sollte. Dann griff seine Hand vorsichtig nach Selena und suchte ihre Hand, als er sie fand unschloss er sie fest. Selena erwachte und fragte mit geschlossenen Augen. "Mikesch bist du das?" "Ja, ich bin es, Liebste." flsterte er. "Oh Mikesch, ich bin ja so froh das du da bist. Es tut mir leid das ich weggelaufen bin." sagte Selena den Tr"nen nahe. "Ist ja gut jetzt bin ich ja da." Er schald sich selbst fr diese nichts sagenden Worte. "Mikesch spiel etwas fr mich." bat sie. "Ich kann nicht, ich habe meine Laute vergessen." "Wie schade, ich wrde jetzt sogerne mein Lied hören." "Ich werde Grazil fragen ob sie eine hat, warte ich bin gleich wieder da." Mikesch erhob sich und ertastete sich den Weg zum Nachbaraum. "Grazil?" "Ja was möchtest du?" "Selena ist wach und sie möchte das ich ihr etwas vorspiele, aber ich habe meine Laute im Gasthaus liegen lassen. Ich wollte dich fragen ob du eventuell eine hast." "Ja ich habe eine, warte ich holle sie dir." Einen Augenblick sp"ter kam sie wieder und berreichte ihn die Laute. Bevor Mikesch etwas sagen konnte ergriff Grazil das Wort. "Sei vorsichtig mit ihr. Es heisst das sie einem reinem Herz keinen Wunsch abschlagen kann." "Ich werde vorsichtig sein, danke." Mikesch spielte die ganze Nacht fr Selena. Es dauerte nicht lang und sie war wieder ganz gesund. Sie bieben noch ein paar Wochen bei (21) Grazil, aber dann wurde Mikesch unruhig und dr"ngte Selena zu Aufbruch. "So ist nun die Zeit gekommen und ihr verlasst mich wieder. Ich habe mir schon gedacht das so bald wie möglich weiter wollt. Ich möchte euch noch etwas mit auf den Weg geben. Geht zu den heiligen Bergen, der höchste von ihnen ist eure Ziel. Wenn ihr zum Drachenherren wollt versucht zuerst seine Tochter auf eure Seite zu ziehen." "Das werden wir, hab vielen Dank', wir werden dich nie vergessen." Selena und Grazil umarmten sich. Mikesch wurde das Herz schwer, er hatte noch nie einen so tolle Frau gekannt. Grazil war in den wenigen Wochen die er sie kannte eine treue Freundin geworden, die ihm immer wieder mit ihren scheinbar grenzenlosen Wissen berraschte. "Mikesch!" Grazil's Stimme riss ihn aus seinen gedanken. "Ich habe hier noch was fr dich." Grazil legte etwas in seine H"nde. "Grazil das ist doch deine Laute, das kann ich nicht annehmen." "Doch das kannst du, sie ist wie fr dich gemacht, ich kenne keinen der so gut Laute spielen kann wie du und deshalb möchte ich das du sie beh"ltst. So und jetzt seht zu das ihr hier weg kommt." Grazil drckte Mikesch kurz und heftig an sich und er sprte das ihr der Abschied auch nicht leicht fiel. Einen Monat sp"ter hatten sie ihr Zeil erreicht, der Winter hatte inzwischen Einzug gehalten, bitterkalte Eisstrme fegten ber das Land und machten Selena und Mikesch ihre Suche nicht gerade einfacher. Sie hatten in einer kleinen Höhle an Fusse der Berge zuflucht gefunden. Zwei Wochen sassen sie jetzt schon in dieser Höhle fest. "Wenn das so weiter schneit sind wir verloren, das ist dir doch wohl klar oder?" fragte Selena z"hneklappernd. "Ja ich weiss, aber was sollen wir denn tun? Willst du bei dem Wetter etwa raus? Und wenn ja, wo willst du hin?" entgenete Mikesch und griff nach seiner Laute. "Ich weiss nicht." Die beiden waren so in ihr Gespr"ch vertieft, dass sie die schlange, geflgelte Gestalt, die hoch ber ihnen auf einen Wandvorspurng hockte, nicht bemerkten. "Selena, wir können hier nicht weg, Grazil hat gesagt das wir hier die Drachen finden." W"hrend er sprach spielte er weiter, bist er auf einmal ein Rauschen von oben war nahm. "Was wollt ihr von den Drachen?" Selena sprang berrascht auf und stellte sich vor Mikesch. "Selena, wer ist da?" Eine Gestalt l"sste sich aus dem Schatten. Sie hatte lederne Flgel und ihre Hautfarbe war ein feuriges rot. "Ich bin Antara, Tochter des Drachenherrn und ihr befindet euch auf auf unserem Land." Sie breitete drohend ihre Flgel aus und nahm damit be"ngstigende Ausmasse an. "Wo kommst du denn her?" fragte Mikesch berrascht. "Glaubst du etwa das durch das Loch in der Decke, das ihr als Rauchanzug benutzt nicht auch etwas herein kommen kann?" antwortete (23) Antara spitz. "Aber das ist ziehmich unwichitg, denn ich habe euch was gefragt. Also was wollt ihr hier?" "Wir suchen die Drachen." "Was wollt ihr von ihnen?" "Ich möchte mir meinen grössten Wunsch erfllen. Ich möchte einmal auf einen Drachen reiten." "Wie willst du das denn anstellen? Glaubst du etwa das einer der Drachen dich auf sich reiten l"sst?" "Ich weiss nicht? Ich heisse brigens Mikesch und das ist Selena." "Ich weiss wie ihr heisst, ich beobachte euch schon seit einer Woche." Selena trat nervös von einem Fuss aus den anderen. "Mach ich dir Angst?" Selena nickte, Antara l"chelte und faltete ihre Flgel zusammen, da blitzten ihre grnen Augen schelmisch auf und sie schttelte ihren langen, schwarzen Harre. "Du brauchst keine Angst vor mir zu haben, ich tu' euch ganz bestimmt nichts. Bei meinem Vater w"re ich mir da allerdings nicht so sicher." Antara hockte sich ans Feuer und wörmte ihre H"nde. "Ist dir kalt? Wir haben da hinten ein paar Decken liegen." Selena erhob sich und wollte schon losgehen, aber Antara hielt sie zurck. "Nein lass nur mir ist nicht kalt." "Aber du hast doch fast nichts an." Selena starrte Antara an, die ausser einen kurzen Hose und einen knappen Oberteil nackt war, sie trug nicht einmal Schuhe. "Ich brauche aber auch nicht mehr anzuziehen, in meinen Adern liest Drachenblut." "Wieso beobachtetest du uns?" wollte Mikesch wissen und legte seine Laute beiseite. "Ich sah den Rauch von eurem Feuer und wollte wissen wer sich bei diesem Wetter hier freiwillig aufh"lt. Dann hörte ich dich spielen, das machte mich neugierig. Musik ist etwas was man hier nicht allzu oft geboten kriegt, vor allem so gute Musik wie du sie machst ist sehr selten. Ich mag Musik, deshalb wollte ich wissen wer ihr seid und was ihr hier wollt. Spielst du was fr mich?" bat Antara. "Ja sicher, wenn du das möchtest." Mikesch nahm seine Laute auf und begann zu spielen. Er spielte ein Stck das er sich schon vor langer Zeit ausgedacht hatte, es spieglte seine Vorstellung von Drachen wieder, ihre Kraft, ihre Freiheit, ihre Sch"nheit. Er spielte so gefhlvoll, dass seine Melodie vor Selena's und Antara's geistigen Auge Bilder erschienen die so real wirkten, dass sie minutenlang, nachdem der letzte Ton verklungen war, immer noch wie erstarrt da sassen. Antara erwachte als erste. "Wie wundervoll, du bist wirklich ein Meister. Soetwas schönes habe ich noch nie gehört, dafr darfst du dir was wnschen." "Was wnschen? Wie meinst du das?" wollte Selena wissen. "Es ist bei uns Brauch, dass wenn jemand fr einen anderen etwas ganz besonders schönes tut und es angenonnen wird... also wenn du was tust was einen anderen im Herzen berhrt, dann darfst du dir etwas von ihm wnschen." "Ich möchte mir aber nichts von dir wnschen, ich habe fr dich gespielt weil ich es wollte und nicht weil ich eine Gegenleistung erwartet habe." Mikesch hob abwerend die H"nde. "Aber es ist Brauch, ich muss mich daran halten." protestierte Antara. "Es gibt nichts was ich mir von dir wnsche." "Wirklich nicht? Ich weiss etwas was du dir wnscht und ich glaube ich kann dir dabei helfen." Antara erhob sich und wand sich zum gehen. "Ich werde innerhalb von drei Tagen wieder kommen und euch sagen wie es ausgegangen ist." Antara breitete ihre Flgel aus und verschwand in der Dunkelheit. Nachdem Antara verschwunden war nahm Mikesch ein Stck Holz und begann zu schnitzen. Er schnitze einen Drachen, er hatte vor ihn dem Drachenherrn zu schenken. Die Tage verginnen, aber Antara kam nichr wieder. "Sie hat uns vergessen, es sind jetzt zehn Tage vergannen." "Nein das glaube ich nicht, sie wird schon noch kommen." meinte Mikesch zu versichtlich. Plötzlich war die Höhle von einem Rauschen erfllt, berall um sie herrum landeten Geflgelte. Selena sah nach oben und sah noch mehr Geflgelte die die Felsw"nde herunter kletterten. Sie hielten sich unter anderem mit den Klauen fest die sie an ihren Flgeln hatten, sie erinnerten Selena an Flederm"use. erinnerte. "Was wollt ihr hier?" schrie sie erschrocken, als zwei Geflgelte nach ihr griffen. "Wir bringen euch zu unseren Herrn." "Selena? Was ist hier los? Bist du in Ordnung?" "Ja es ist alles in Ordnung." Im diesem Moment griffen die beiden Geflgelten nach ihren Armen und erhoben sich mit ihr in die Luft, sie sah nach unten und stellte fest, dass es Mikesch genauso erging. Selena war starr vor Schreck, sp"ter konnte sich keiner von den beiden daran erinneren wie lange dieser Flug gedauert hatte, aber sie waren ber glcklich als sie festen Boden unter den Fssen hatten. "Was sollen wir hier?" fragte Selena angriffslustig. "Ihr werdet hier warten bis unser Herr Zeit fr euch hat." antwortete einer der Geflgelten und verliessen den Raum. Selena war so sauer sie h"tte die W"nde hoch gehen können, sie lief ruhelos in Zimmer auf und ab. "Selena nun beruhig dich erst mal, vielleicht will er ja nur mit uns reden." "Nur mit uns reden, das ist doch l"cherlich. So wie die mit uns umgegangen sind und erst mit unseren Sachen...." "Sie haben unsere Sachen mit gebracht? Ist meine Laute dabei?" "Ja, dass ist sie, du willst doch jetzt nicht etwa spielen?" "Doch das möchte ich dabei kann ich am besten Nachdenken. Gibst du sie mir bitte." Selena ging zu ihren Sachen um Mikesch die Laute zu holen, als sie die Laute ergriff fiel etwas aus der Schutzhlle raus. "Oh nein!" "Was ist?" "Der Drache er ist zerbrochen." "Das macht jetzt auch nichts mehr. Gib mir bitte meine Laute." Selena reichte Mikesch die Laute und setzte sich zu ihn, in den H"nden hielt sie die šberreste des Drachen. Sie war traurig, Mikesch hatte sich solche mhe gegeben ihn zu schnitzen, es war die beste Arbeit die er je gemacht hatte (27) und nun lag sie zerbrochen in ihren H"nden. Mikesch eine herzzerreissenbe Melodie die sie zu Tr"nen rhrte. "So, ihr seid allso die beiden Menschen die auf einem Drachen reiten wollen." Selena sprang auf und wirbelte herum, hinter ihr stand ein Geflgelter an dessen Haltung eindeutig zu erkennen war das er eine wichtige Pers"nlichkeit war. Mikesch spielte unbeirrt weiter. "Wer bist du?" fragte Selena "Ich bin Tatklon, der Drachenherr. Was hast du da in der Hand?" Selena merkte das sie die Bruchstcke des Drachen noch immer in der Hand hielt. Sie wollte nicht das der Drachenherr sie sah, deshalb versteckte sie sie hinter ihrem Rcken. "Nichts." "Los zeig' es mir." Tatklon streckte Selena auffordend die Hand entgegen. Wiederwillig legte sie die Bruchstcke in seine Hand. "Oh ein Drache, wie schade das er zerbrochen ist, hast du ihn geschnitzt?" "Nein, Mikesch war es." Tatklon schaute zu Mikesch hinber, der immer noch auf seiner Laute spielte, er schien garnicht mit zu bekommen das der drachenherr den Raum betretten hatte. "Du hast ihn geschnitzt? Aber meine Tochter sagte mir das du blind seist." "Er ist blind, aber dennoch ist er der beste Schnitzer den ich kenne." antwortete Selena an seiner Stelle. Mikesch konzentierten sich vollkommen auf sein Spiel. -Oh Grazil, wenn du recht hast und diese Laute kann Wnsche erfllen, dann hoffe ich das sie mir jetzt einen erfllt. Mach das der Drache wieder ganz wird, damit ich ihn den Drachenherrn schenken kann.- Der Drachenherr schaute immer noch auf den zerbrochenen Drachen, als er pl"tzlich anfing sich wieder zusammen zusetzten. "Was ist denn das?" Tatklon h"tte beinahe die Figur fallen gelassen. Er sah zu wie sich die einzelnen Stcke wieder zusammen fgten. Aber damit nicht genug, als der drache vollkommen wiederher gestellt war, breitete er seine Flgel und erhob sich in die Lfte. "Heilige Drachenschwinge, was ist das?" "Ich weiss nicht." flsterte Selena und wich einen Schritt zurck. Mikesch spielte noch einige Minuten weiter, als der letzte Ton verklungen war landete der Drache und erstarrte wieder zu einer Holzfigur. "Junge wie hast du das gemacht?" "Ich weiss nicht, ich habe mir nur gewnscht das er wieder ganz ist, damit ich ihn dir schenken kann. Ihr seid doch der Drachenherr oder?" "Ja der bin ich." "Hast du dein Horn dabei?" "Ja das habe ich, aber wieso weisst du etwas von meinen Horn?" "Ich habe es des Nachts oft geh"rt." "Du hast mein Horn geh"rt? Naja am Fusse des Berges ist es sicherlich zu h"ren." "Nein ich habe es schon frher geh"rt und auch das Rauschen der Drachenschwingen, ihr Schnaufen und Brllen." "Aber das ist unm"glich es sei den du hast das Mal." "Was fr ein Mal?" mischte sich Selena in das Gespr"ch ein. "Ein Drachenmal, einen roten oder braunen Fleck in Form eines Drachen. "Ich habe so ein Mal, was hat es zu bedeuten?" "Es hat zu bedeuten das du zu uns geh"rst, du hast ein Drachenherz." "Ein Drachenherz? Was hat es damit auf sich?" wollte Mikesch wissen. "Alle paar Jahre wird ein Mensch geboren der so ein Mal hat, sie geh"ren zu den Menschen sowie zu dem Drachenvolk. Die meisten von ihnen merken es nicht einmal nur jene denen das Leben bel mitgespielt hat sind dafr empfenglich, aber die wenigsten finden zu uns. Du bist der erste seit hundert Jahren der es geschafft hat. Ich bin froh darber, denn du hast eine reine Seele und das du die Freunschaft Grzil gewonnen hast spricht fr dich und auch fr dich Selena." "Werde ich auf einem Drachen reiten drfen?" Mikesch wand sich hoffnungsvoll an Tatklon. "Sicher darst du das, du bist einer von uns." "Einer von euch, was betdeutet das?" "Es bedeutet das du jeder Zeitzu uns kommen kannst, aber es bedeutet auch das du in Zeiten des Missverst"ndniss oder gar des Krieges zwischen Menschen und Drachen vermitteln musst. Bist du bereit das zu tun?" "Ja das bin ich." "Dann sei uns willkommen und auch du Selena seid beide willkommen in unserer Welt, ihr k"nnt hier bleiden oder zu den Mensch zurck gehen, ganz wie ihr wollt." Als der Schnee nach lies und der Frhling begann seine Fhler aus zustrecken war entlich Mikesch's grosser Tag. Der Ritt auf einen Drachen, es war ein Erlebnis das Mikesch und Selena bis an das Ende ihres Leben nicht mehr vergassen. Sie blieben bei den Drachen bis zu ihrem Tot, der glcklicherweise lange auf sich warten lies. Noch Jahre nach ihrem Tot dachte Taklon an die beiden zurck, er bedauerte ihren Tot. Aber wusste, dass die beiden alles in ihrem Leben erreicht hatten was sie erreichen wollten.

Drachenflug Epilog:

Dein Traum ist gross und unerfllbar, glauben die Anderen. Aber sieh', die Welt ist riesig und sie h"lt unz"hlige Wunder bereit fr jene die danach suchen. H"re auf die Worte, die der Wind dir zuflstert. -Du kannst jede Tr "ffnen, wenn du nur den richtigen Schlssel hast.- Lausche dem Raunen der B"ume, denn was sie sagen ist wahr. -Ein tapferes Herz findet man selten.- Fhle die Sonne, die dir dein Herz erw"rmt, auch sie spricht zu dir, wenn du aufmerksam zu h"rst. -Eine reine Seele kann alles erreichen, denn ihre Farbe gleicht dem goldenen Leuchten der Sonne und wer h"tte die Kraft dieses Strahlen zu berbieten? Du siehst also, dass alles von dir selber abh"ngt. Wenn du dir selbst vertraust und zu deinen Entscheidungen stehst, auch wenn alle anderen sie kritisieren, weil du im Grunde deines Herzens weisst das sie richtig sind. Dann steht der Erfllung deiner gr"ssten Wnsche nichts mehr in Weg. Drachenflug Epilog Dein Traum ist gross und unerfllbar, glauben die Anderen. Aber sieh', die Welt ist riesig und sie h"lt unz"hlige Wunder bereit fr jene die danach suchen. H"re auf die Worte, die der Wind dir zuflstert. -Du kannst jede Tr "ffnen, wenn du nur den richtigen Schlssel hast.- Lausche dem Raunen der B"ume, denn was sie sagen ist wahr. -Ein tapferes Herz findet man selten.- Fhle die Sonne, die dir dein Herz erw"rmt, auch sie spricht zu dir, wenn du aufmerksam zu h"rst. -Eine reine Seele kann alles erreichen, denn ihre Farbe gleicht dem goldenen Leuchten der Sonne und wer h"tte die Kraft dieses Strahlen zu berbieten? Du siehst also, dass alles von dir selber abh"ngt. Wenn du dir selbst vertraust und zu deinen Entscheidungen stehst, auch wenn alle anderen sie kritisieren, weil du im Grunde deines Herzens weisst das sie richtig sind. Dann steht der Erfllung deiner gr"ssten Wnsche nichts mehr in Weg.

Sylvandor Rahls Vorgeschichte

Geschrieben von Michael Weiss

Es war Abends als Tobias Rahl heimkam. Er hatte einen weiten Weg hinter sich quer durch die Lande direkt nach Vesper. Als er vor sein Haus trat bemerkte er das noch Licht brannte. Sehnsüchtig beeilte er sich und nahm die letzen Stufen zu seiner Haustür auf einmal. Ohne zu klopfen trat er durch die Tür und sah sich um. Überrascht bemerkte er das er allein im Raum war. Vielleicht brachte sie gerade die beiden kleinen zu Bett. Dachte er. So ging er leise den Gang entlang wo das Zimmer der Kinder lag. Komisch die Tür war offen aber nichts war zu hören. Ein eiskalter schauer huschte über seine Glieder als er das Zimmer betrat. Niemand! Nichtmal das geringste Geräusch war zu hören. Außer sich von Sorge begann er jeden Winkel seines kleines Hauses zu durchsuchen. Sie waren nicht da. Tobias stürmte aus dem Haus und sah sich von Panik erfüllt um. Wo konnten sie nur sein? Er sah gerade eine Frau aus dem Haus, das etwas weiter entfernt von seinem stand, aus der Tür treten. Mit schnellen Schritten ging er zu ihr herüber. Er erkannte sie. Penalan die Frau des Schmiedes. Als die Frau ihn herbeilaufen sah runzelte sie die Stirn und sah ihn fragend an. "Seid gegrüßt Penalan! Wißt ihr wo sich meine Frau und meine Kinder befinden?" In ihren Augen blitzte die Erkenntnis auf. " Ihr! Man hat sie aus den Haus gezerrt! Erst heute Morgen! Lanara wollte sich wehren aber man hat sie kurzerhand bewußtlos geschlagen, ich sag es vom Fenster aus. Eure Frau und eure Kinder hat man dann in Fesseln fortschleppt." Die Frau begann durch die Angst die mit dieser Erinnerung verbunden war zu zittern. Durch den Nebel des Schockes hinweg sagte Tobias. "Wer?" " Die Stadtwache." Dies traf Tobias nicht minder wie ein tritt eines Pferdes mitten ins Gesicht. Betäubt durch den Schock wandte er sich von der Frau ab und lief die Straße hinunter. Es dauerte eine Weile bis er sich erholt hatte und begann wieder etwas normal zu denken. Doch eins war ihm klar. Jemand würde für diese Tat büßen, aber erst nachdem er seine Frau und seine Kinder geholt hatte. Sein Schwert aus der Scheide reißend rannte er direkt auf den Palast zu. Die Wachen am Hinteren Eingang starben bevor sie überhaupt wußten wie ihnen geschah. Tobias Rahl rannte die Gänge entlang. Es war lange her seit dem er hier gewesen war, aber das war ihm egal, den Weg zum Kerker würde er früher oder später finden. Einem armen Schreiber des Hauses schlug er beim vorbeilaufen den linken Arm ab. Mit einem grellen Schrei voller Panik sank der Mann, die rechte Hand auf die Wunde drücken, zu Boden. Minuten später. Tobias wäre fast an der Treppe vorbei gerannt, ging er in den Kerker. Ein muffiger Geruch mit einer Spur von frischem Blut schlug ihm entgegen. Er verlangsamte seine Schritte etwas, öffnete die Tür zum Kerker. Im Gang dahinter brannten nur wenig Fackeln. Nur aus einer Zelle kam Licht und aus dieser Zelle kamen Geräusche die Tobias nicht genau erkennen wollte! Trotzdem ging er weiter darauf zu. Als er in den schlecht beleuchteten Raum ging, kam er nur zwei Schritte weit bevor er gegen eine unsichtbare Barriere stieß und das mit solcher Wucht das es ihm augenblicklich schwarz vor den Augen wurde. Doch die Sekunde die er gehabt hatte den Raum zu betrachten, hatten gereicht die gnädige Schwärze der Bewußtlosigkeit mit Freuden in Empfang zu nehmen. In dem recht großen Gewölbe waren vier Personen zu sehen. Seine zwei Kinder Sylvandor und Egrim die fast leblos an die rechte Wand gekettet waren und ein Mann der sich gerade über seine Frau zu schaffen machte die ihm mit leerem Blick hereinkommen sah. Als Tobias aufwachte mit einem tauben Gefühl im ganzen Körper auf. Sein Kopf fühlte sich an als hätte man ihn auf den Boden gelegt und dann eine Burg darauf gebaut, nur mit seinem Kopf als Stütze. Langsam öffnete er seine Augen. Dunkel. Er mußte erst einmal zwei Sekunden warten bis das rauschen in seinen Ohren verklungen war bis er hörte das kurz vor ihm ein leises wimmern zu hören war. "Lanara?" Fragte er verzweifelt. Keine Antwort nur dieses angsterfüllte Wimmern. Still wartete er ab wie die Zeit verrann. Er schätzte es dauerte zwei Stunden bis die Tür rechts von ihm sich auftat und das Licht ihn blendete, es hätten aber auch vier oder mehr sein können. Als der Schmerz in seinen Augen sich etwas legte blickte er in ein ihm nicht unbekanntes Gesicht. Relem Kasat, die rechte Hand des Barons, sah ihn aus einer Mischung aus Bewunderung und Abscheu an. "Ich grüße Euch Hauptmann Rahl!" Eine gehörige Portion Hohn schwang in seinen Worten mit. "Willkommen zu Hause in Vesper." Grinsend sprach er weiter. "Ihr werdet euch sicherlich fragen weshalb ihr diesem Ausgesetzt werdet. Nun dazu muß ich euch erst etwas erzählen." Während der kleinen Pause spuckte ihm Tobias ins Gesicht. Während er mit seiner bloßen Linken den Speichel abwischte fuhr er fort. "Vor ein paar Monaten kam in der Heimat das Gerücht von einem Verräter in den Reihen der Armee auf. Ihr werdet vielleicht sogar die Untersuchungen bemerkt haben die wir daraufhin angestellt haben, aber was wir auch taten wir fanden niemanden. Ich fürchte euer Pech ist es einfach am falschen Zeitpunkt nach Hause gekommen zu sein. So können wir dem Gerücht ein Ende machen und dem Volk das geben was es will. Die Hinrichtung ihres verhaßten Verräters." Mit einer Bestimmtheit die Tobias selbst überraschte sagte er. "Ihr habt keinen Beweis! Ich bin kein Verräter!" - "Das Volk wird es glauben, dafür habe ich gesorgt." Verzweifelt starrte Tobias seinen Gegenüber an. "Das werden wir ja nun nicht mehr brauchen." Mit einer Behendigkeit die Tobias überraschte packte der Verwalter Lanara und schnitt ihr die Kehle durch. Tobias würgte. Er wäre wohl an seinem eigenen Erbrochenen erstickt hätte Relem ihm nicht fast freundschaftlich auf den Rücken geklopft. "Na wir wollen doch den Zeitplan einhalten nicht war? Ach. Deine Hinrichtung ist für morgen eingeplant. Also mach dir keine Hoffnungen." Er steckte noch die Fackel an der Wand an und ließ Tobias mit seiner toten Frau und seinen wimmernden Kindern allein. Tobias sah zu ihnen rüber, doch alles was er sah waren zwei Haufen elend die ihn von leeren Augen anblickten und dann mit einem Wimmern in sich zusammenbrachen. Die Nacht verging eigentlich schnell da Tobias in einen Zustand der vollkommenen Sinnlosigkeit hinab geglitten war. Man holte seine Kinder und brachte sie ohne Worte fort, ihm war klar was man mit ihnen vorhatte. Man brachte Sylvandor und Egrim aus dem Kerker und schleppte sie den Hintergang hinaus. Einer der zwei Soldaten unterhielt sich noch kurz mit seinem Kammeraden und ging dann ohne ein Wort wieder zurück. Der andere Blickte die zwei musternd an. "Es ist zwar sowieso egal, aber ich muß es wohl loswerden. Glaubt mir, es widerstrebt mir sehr zu tun was ich muß aber seht es so, ihr dient noch im Tode dem Reich, ihr sterbt sozusagen den ehrenhaftesten Tot den ein Soldat sich wünscht!" Sylvandor blickte ihn aus haßerfüllten Augen entgegen. Kühl sagte er. "Dann mach es schnell und so wie es einem Soldaten gebührt." Der Soldat nickte nur. Daraufhin kniete Egrim sich nieder. "Nimm mich zuerst." "Wie du willst" Murmelte der Soldat. Egrim senkte sein Haupt in Erwartung des Schmerzes. Der Soldat setzte kurz an dem Genick des 12 Jahre alten Jungen an und hob dann sein Schwert um es in tödlicher Präzision in sein Opfer zu bohren. Doch er kam nicht dazu. Bevor sein Schwert den halben weg geschafft hatte griff Egrim hinter seinen Kopf und riß das Schwert in einen tieferen Winkel nach unten. Er hatte es zwar nicht geschafft die Wucht so umzuleiten das er sich selbst traf, hatte aber sein Schwert in die Position gebracht so das es direkt vor seinem Bauch zum stehen geblieben war. In diesem Moment war Sylvandor schon hinter ihm und trat ihm mit seinem Fuß hinten in den Rücken. Ein unendlich langer knirschender Laut war zu hören als der Soldat, aus dem Gleichgewicht gebracht nach vorne in sein eigenes Schwert stürzte. Blut hustend wälzte er sich noch auf seinen Rücken. Das letzte was er sah war das Gesicht Sylvandor´s der im ins Gesicht spuckte und ihn höhnisch angrinste. Das letzte was er fühlte war der ruck mit dem Egrim sein eigenes Schwert langsam und genüßlich aus seinem Bauch zog. Als die beiden zum vorderen Eingang kamen gingen gerade die letzten Bewohner durch das große Haupttor das man heute ganz geöffnet hatte. Die Menge schrie wirre Dinge doch die Worte "Vergeltung" "Rache" und "Verräter" waren deutlich raus zu hören. Egrim stieg auf ein herumstehendes Faß um besser sehen zu können. Man hatte eine Plattform aufgebaut auf dem man ein Stück von einem Baumstamm gestellt hatte. In diesem Moment war dort der gleiche man zu sehen der ihre Mutter getötet hatte. Ein anderer machte sich gerade daran zu schaffen ihren Vater auf die Knie zu zwingen und seinen Kopf auf den Stamm zu legen. Für einen Moment wurde die Menge fast still, bevor sie dann zu einem verlangendem Gebrüll anschwoll. Die beiden Brüder sahen Stahl aufblitzen. In beiden Augen wäre deutlich zu sehen gewesen das tief, sehr tief im inneren der beiden etwas in Tausende Splitter zerbarst, hätte nicht jeder auf dem Marktplatz auf den Kopf gestarrt der mit einem dumpfen poltern auf die Straße fiel. Egrim und Sylvandor drehten sich wie ein Mann um und verließen mit langsamen Schritten die Stadt. Ihre Gesichter waren starr doch auf beiden Gesichtern lief eine einzelne Träne herunter. Sylvandor und Egrim liefen zu einer weit entfernten Stadt wo man sie nicht kannte und wo sie niemanden kannten. Keiner der beiden nahm sich die zeit das geschehene wirklich zu verarbeiten. Sie gingen einfach fort und fingen ein neues Leben an, im Schatten ihres alten Lebens. Die beiden kamen bei einem ansässigen Händler unter. Er gab ihnen einen Unterschlupf und etwas zu essen. Sie mußten hart arbeiten aber er behandelte sie fair und schlug sie nicht. Jedenfalls nicht ohne Grund. Eines Tages kam dann ein Magier in die Stadt. Das Gerücht das er auf suche eines würdigen Schülers wahr verbreitete sich schneller als die Pest es je könnte. Sylvandor war zu dieser Zeit 16 Jahre alt. Er war schon immer fasziniert gewesen von der Magie und der Mythen und Legenden die um sie erzählt wurden. Er war schon immer der intelligentere der beiden gewesen, nicht das Egrim dumm wäre, doch er hatte manchmal einfach Probleme damit die großen Zusammenhänge im Leben zu sehen. So ging Sylvandor zur Versammlung am Marktplatz. Sylvandor hätte nicht gedacht das dieses kleine Städtchen so viele Menschen aufnehmen konnten aber der Marktplatz war mehr als überfüllt, jeder wollte den Magier sehen. Sylvandor mußte schmunzeln bei dem Gedanken welche Gründe diese Menschen hatten hier zu sein. Er wußte was er zu tun hatte. Mit schnellen Schritten machte er sich auf die Mitte des Gedränges auf. Der Magier, ein ca. 80 Jahre alter Mann mit langen weißen Haaren und einem gepflegten weißem Vollbart sprach gerade mit dem Bürgermeister. Hinter ihnen stand eine Ansammlung von Jungen die von 16 bis 18 Jahre alt waren. Sylvandor stellte sich zu ihnen. Dann drehte sich der Magier zu ihnen um. "Stellt euch bitte nebeneinander auf." Sie taten es. Er ging zum ersten in der Reihe und sah ihn eingehend an. Dann zum zweiten, dritten, vierten. Sylvandors Herz begann aufgeregt zu schlagen er war nun an der Reihe, doch der Magier bemaß ihn mit ein paar Blicken und ging weiter. Sylvandors Hoffnung zerbrach in diesem Moment und etwas anderes noch sehr kleines wurde eingepflanzt. Haß. Der Magier wählte an diesem Tag keinen Schüler aus. Sylvandor ging danach mit schnellen Schritten wieder zu dem Haus des Händlers. Am nächsten Tag war Sylvandor für die Regale zuständig. Als er gerade nach einer besonders schweren Holzkiste greifen wollte, kam jemand durch die Tür. Er warf einen flüchtigen Blick in die Richtung. Es war der Magier. Er lief mit langsamen Schritten in den Verkaufsraum hinein und sah sich ausgiebig um. Seine Gefühle unterdrückend nahm er die schwere Kiste in die Hände und hob sie nach oben. Er machte eine unbedachte Bewegung und kurz bevor er nach ihr greifen konnte fiel sie schon Richtung Boden. Alles lief in Zeitlupe vor seinen Augen ab. Er wußte das wenn die Kiste mit den wertvollen Porzellan kaputtginge würde er heute nicht mehr allzuviel zu lachen haben. Er hob die Hand als könnte er damit den Aufprall aufhalten und er tat es. Für einen Moment dachte er schon das er das sich nur einbildete aber der Moment verging und es geschah trotzdem nichts. Sylvandor sah erst zu dem Händler dann zu dem Magier. Beide hatten eine Mischung aus Erschrecken und Unglauben in ihren Gesichtern. Hastig nahm Sylvandor die Kiste aus der Luft und stellte sie ab. Ein Gefühl von macht durchdrang ihn. Der Magier kam auf ihn zu und musterte ihn unverhohlen. "Sag mal warst du heute Mittag nicht auch auf dem Marktplatz?" Sylvandor nickte. "Hmm" Der alte strich grübelnd über seinen Bart und murmelte etwas von "seltsam". Dann drehte er sich um und ging mit hastigen Schritten zu den Händler. Er sprach ein paar leise Worte mit ihm worauf der Händler mit einem zustimmenden Nicken antwortete, er wirkte immer noch sehr verstört. Der Magier nahm Sylvandor kurzerhand am Ärmel fest und zerrte ihn mehr oder weniger hinter sich her. Draußen maß er Sylvandor noch einmal mit einem interessierten Blick und fragte dann. "Junge. Was weist du über die Magie." Sylvandor überlegte kurz. "Sehr viel... Geschichten, aber wirklich WISSEN... eigentlich nichts." Der alte überlegte einen kurzen Moment. "Nun gut. Das Potential hast du offensichtlich. Wärst du gewillt mein Schüler zu werden?" Mit einem selbstzufriedenen lächeln auf den Zügen sagte Sylvandor. "Ja." Sylvandor verabschiedete sich nicht einmal von Egrim sondern ging sofort aus dem Laden und zog mit dem Magier davon. Sie begaben sich auf den Weg zu dem Turm von Mereak, dem Magier. Sie sprachen wenig auf dem Weg dorthin. Der Weg war nicht weit und sie brauchten nur 2 Tagesmärsche dafür. Der Turm war nicht besonders groß, aber im inneren befand sich eine Menge interessantes und Sylvandor sah sich eine ganze Weile um, Mereak ließ ihn da er selbst ein paar Dinge in seinem Labor richten mußte, das einzige Zimmer das Sylvandor nicht betreten durfte. Ein Jahr verbrachte Sylvandor mit dem Studieren alter Schriften und Mathematischen Aufgaben und ähnlichem. Eines Tages trat er an seinen Herren heran. Die Tür öffnete sich. Mereak runzelte die Stirn. "Hatte ich nicht gesagt du solltest anklopfen wenn du hier hereinkommst?" - "Wann beginnen wir mit meiner Ausbildung?" Mereak legte seine Stirn in geduldige Falten. "Wann denkst du wärst du bereit damit anzufangen?" - "Jetzt." - "Soso und warum denkst du das?" - "Ich studiere jetzt schon seit über einem Jahr diese Bücher. Ich kann die Macht schon fühlen die in mir ruht, ich will sie endlich benutzen können." Mereak grübelte einige Sekunden lang und sagte dann mit fester Stimme. "Nun denn, dann sag mir mein Junge. Was ist Magie?" Er legte eine beabsichtigte kurze Pause ein, ganz offensichtlich legte er sich die Worte im Geist zusammen. "Was ist Magie für dich und was ist die Magie für den Gemeinen Menschen?" Sylvandor dachte kurz nach und sagte dann. "Für die unwissenden ist Magie alles was sie nicht begreifen, stolpern sie über einen Stein sagen sie Magie wäre daran Schuld. Passiert etwas was ihnen unbegreiflich ist, dann ist es die Magie die daran Schuld hat. Für mich ist es die eine Macht die ich benutzen möchte. Sie ist es die etwas großes verändern kann auf dieser Welt, aber es sind gerade die Feinheiten der Magie die sie mächtig machen." Mereak dachte einen Moment über das Gesagte nach und nickte dann. "Gut. Dann komm her." Sylvandor begab sich vor den Schreibtisch und setzte sich vor ihn, nachdem Mereak ihn mit einer Geste darum bat. "Wie du schon sagtest, kannst du durch das Wissen das ich dir gab, die Kraft deines Geistes spüren. Ich werde dir nun zeigen wie du diese Kraft benutzen kannst um die Essenz der Welt zu verändern. Schließe nun deine Augen und versuche deine Kraft zu ergreifen." Sylvandor zögerte einen kurzen Moment schloß aber dann die Augen und begab sich Auf eine Reise in seine Gedanken. Ja er fühlte sie. Er versuchte nach ihr zu greifen aber sie entglitt ihm. "Nicht so schnell Junge!" schallte eine Stimme durch seinen Geist. Sylvandor versuchte es noch einmal etwas langsamer, diesmal geschah etwas! Er spürte wie er sie plötzlich zu fassen bekam. Er liebkoste sie. Er fühlte sie durch und durch. "Sehr gut." Sylvandor öffnete seine Augen. Er lächelte kalt. Mereak sah ihn kurz und verwirrt an fuhr aber dann fort. "Dort" Er deutete auf eine Kerze auf einem kleinen Beistelltisch neben einem Regal. "Zünde sie an." Sylvandor lenkte seine Gedanken zu der Kerze aber nichts geschah. "Wie du merkst ist es für den Geist eines Menschen zu schwer die eine Macht allein mit den Gedanken zu bündeln. Daher gibt es die Worte der Macht. Verschieden aufgesagt helfen sie dir die eine Macht zu bestimmten Zwecken zu benutzen. Nun. Sprich "Flam" aus und versuche es dabei noch einmal." Sylvandor tat so und es funktionierte. Der Docht begann erst zu glühen und brannte dann. Sylvandor wendete sich wieder zu seinem Lehrmeister. Aus Mereak´s Gesicht wich alle Farbe. Sylvandor´s Augen hatten weder Pupillen noch irgend etwas anderes sie bestanden einfach nur aus einem bodenlosen Schwarz. Kalt sagte Sylvandor. "Ich danke dir! Gebe mir nun dein Zauberbuch." Mereak versuchte dagegen anzukämpfen schaffte es aber nicht. Er sah seiner eigenen Hand dabei zu wie sie das Buch nahm und es Sylvandor reichte. Langsam stand Sylvandor auf und verließ den Raum. Starr vor Schock starrte Mereak die Tür an, aus der Sylvandor gerade getreten war. Dann brach er über seinem Schreibtisch zusammen und fing an zu weinen wie ein verängstigtes Kind und schluchzte. "Was habe ich nur getan!" Als Sylvandor aus dem Turm ins Freie trat sah er sich um. Die Welt kam ihm nun irgendwie kleiner vor. Mit schnellen Schritten entfernte sich Sylvandor vom Turm. Hinter ihm fing der Turm an zu brennen und dort wo er seinen Fuß gehabt hatte fing ebenfalls Feuer. Es dauerte nicht lange und Sylvandor lief seinem eigenen Schatten entgegen, der vom Schein der Flammen erzeugt wurde. In Richtung Rache.

Burg Adlerfels

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Irgendetwas stimmte nicht, dass merkte Thynar sogar mit seinen 6 Wintern. Er konnte sich einfach den roten Schein vor seinem Fenster nicht erklären. Die Schreie und das Schwertgeklirre steigerten seine Verwirrung nur, sein Vater Herzog Adlerklaue hatte doch kein Fest für heute Nacht angesetzt.
Obwohl seine Mutter ihn vor 2 Stunden in sein Bett schickte und ihm befahl sein Zimmer nicht zu verlassen, war die Versuchung zu groß. Er schlich auf Zehenspitzen zur Tür und wollte sie gerade öffnen als er draußen einen lauten Schrei gefolgt von einem widerlich feuchten Aufplatschen hörte. Vor Schreck sprang er einen Schritt zurück, was ihn vor einer schmerzhaften Beule durch die Türkante bewahrte.

Vor ihm stand seine Mutter mit vor Schreck geweiteten Augen und blutverschmiertem Kleid. Als ob dies nicht schon reichte ihn komplett zu verwirren, tauchte dahinter Idan auf. Idan der immer seines Vaters bester Freund war sah ebenso seltsam aus während er da mit seinem rechten Arm verzweifelt sein Schwert schwang um eine ekelhafte Kreatur abzuwehren. Tynar wollte ihn gerade fragen wieso Idan nicht seinen linken Arm benutzte. Der kurze Moment seiner Verwirrung ging aber schnell in blankes Entsetzen über denn Idans linker Arm hing schlaff herunter. Über seinem Ellbogengelenk zeichnete sich eine klaffende Wunde ab, die aussah als hätte ihn jemand oder besser etwas, gebissen und ein faustgroßes Stück Fleisch heraus gerissen. Trotz der Wunde schaffte der Ritter es dem Wesen mit einem gut platzierten Hinterhandschlag einen Arm ab zu hacken. Seltsamer Weise schien das Wesen in keiner Weise bekümmert oder verletzt denn es kam immer weiter steifbeinig auf sie zu. Idan der dies scheinbar erwartet hatte, vollführte mit seinem Körper eine Drehung und schwang sein Schwert in einem tödlichen Bogen. Es gab ein schmatzendes Geräusch als sich der Kopf vom Hals trennte und die Treppe hinunter flog. Obwohl eine solche Verletzung normalerweise den sofortigen Tod bedeuten musste blieb das Wesen noch einen Moment ohne zu bluten stehen und tat sogar noch einen weiteren Schritt auf sie zu bis dann endlich der Körper des Monsters auch seinen Tod registrierte.

In der zwischen Zeit hatte die Herzogin schon das Fenster des Jungen geöffnet und befahl ihm zu springen. Thynar hatte immer noch keine Ahnung was eigentlich vor sich ging und hatte keineswegs die Absicht fast 10 Meter tief zu fallen nur um dann in einem kalten Burggraben zu landen. Grade er als er seine Mutter darauf aufmerksam machen wollte, dass es auch die Treppe tun würde, kam eine weitere der aufgedunsenen Kreaturen die Treppe hinauf und fixierte die 3 mit ihren rot glühenden Augen.

Thynar und seine Mutter die beide starr vor Angst waren hätten mit Sicherheit den Tod gefunden, wäre Idan nicht angestürmt und hätte sie beide mit letzter Kraft aus dem Fenster gestoßen. Als Idan das Platschen im Wasser hörte stahl sich ein Lächeln auf sein Gesicht. Er war sich im klaren darüber dass er den Sturz auf keinen Fall überstanden hätte und sich ihm als einzige Möglichkeit nur ein Kampf bot den er nicht gewinnen konnte. Nur spielte es für ihn keine Rolle mehr was mit ihm geschah. Seine Freunde waren alle tot und sein zuhause würde bald auch nicht mehr sein. Aber er hatte dem Herzog seinen letzten Wunsch, die Herzogin und den kleinen Thynar zu retten, erfüllt. Mit grimmiger Entschlossenheit drehte er sich zu dem Ghul um. Gerade als er glaubte diesen Gegner besiegen zu können tauchten weitere rot glühende Augen in der Dunkelheit des Türrahmens auf. Gut, er würde sterben aber nicht ohne den Herzog und die vielen tapferen Männer, die ihr Leben gegeben hatten zu rächen. Mit einem wilden urtümlichen Schrei, zu Corindor, seinem gewählten Gott, stürmte er vor. In dieser Nacht wurden viele Zombies und andere Untote von der kleinen Streitmacht von Burg Adlerfels getötet, aber keiner der Männer focht mit einer solchen Inbrunst wie Idan.
Bevor sich seine Augen das letzte Mal schlossen sah er ein Bild seines Freundes und der herzoglichen Familie vor sich und brachte sogar ein Lächeln zustande, kurz bevor die Zombies seine Leiche zerfetzten und sich an den Resten gütlich taten. Thynar und seine Mutter kamen prustend und schnaufend ans Ufer des Grabens. Erst jetzt warf der Junge einen Blick auf sein verlorenes Zuhause. Überall in der kleinen beschaulichen Burg schlugen Flammen gen Himmel und fraßen sein geliebtes Heim auf. Durch die Flammen sah er vereinzelt die Männer seines Vaters, seine Freunde, gegen die Monster kämpfen. Dieser Anblick allein ließ das Herz des Jungen schon fast brechen aber am allerschlimmsten waren die angst erfüllten Schreie der Soldaten die ihr Leben gaben um wenigstens ihn und seine Mutter zu retten. Bevor seine Mutter ihn zu einem wartenden Pferd in den Wald führte, gab sie ihm den Ring seines Vaters, mit dem eingravierten Symbol des zustoßenden Adlers. In diesem Augenblick wusste er mit absoluter Sicherheit, von dem Tod Idans und seines Vaters. In einem wilden Lauf wurde er von seiner Mutter zu dem schwarzen Pferd gezogen. Er erkannte es als das seines Vaters, ein wunderschönes vor Kraft strotzendes Tier. Er wurde auf den Rücken des Hengstes gehoben und sah in dem Moment als seine Mutter sich zu ihm setzen wollte weitere dieser rotglühenden Augen um sie herum im Wald. Und jedes dieser Augen schien ihn tiefer in seine Verzweiflung zu stürzen. Die Herzogin gab ihm noch einen Kuss und schaute ihm voller Liebe in die Augen. Er wollte sie an sich ziehen, ihr sagen das alles gut werden würde und sie zusammen fliehen konnten. Aber sie gab dem Pferd einfach einen festen Klaps und drehte sich mit gezogenem Dolch zu den Ghulen und Zombies um.
Mit vor Tränen verschleiertem Blick ritt er weiter, war aber klug genug sich nicht durch Schreie zu verraten. Thynar, der einfach nicht wusste was er tun sollte, ritt einfach weiter. Der kraftstrotzende Hengst vergrößerte die Entfernung zur Burg immer mehr. In dem wilden Durcheinander aus herabhängenden Ästen, hörte er plötzlich einen markerschütternden Schrei. Er wusste ohne Zweifel von wem der Schrei stammte. Zuerst sein Vater dann Idan und nun seine Mutter. Das war alles zuviel für den Jungen. Er sank in einen Dämmerzustand, in dem er jedes Zeitgefühl und zu guter letzt auch die Besinnung verlor. Er erwachte mit einem pelzigen Gefühl im Mund und knurrendem Magen. Er hatte keine Ahnung wie weit das wunderbare Tier ihn gebracht hatte, aber sein Hunger und Durst verrieten ließen ihn auf einen Zeitraum von mehreren Tagen schließen. Vom Durst überwältigt ritt er zu einem in der Nähe befindlichen Bach um dort zu sich und seinem Pferd etwas Wasser zu gönnen. Unglücklicher Weise hatte ein Königsnatter die gleiche Idee, als sie das Pferd und den Reiter erblickte begann sie mit ihren Drohgebärden. Der Hengst war zwar vorbildlich für die Schlacht ausgebildet, aber sah zum ersten Mal eine Schlange und scheute. Thynar konnte sich nicht mehr im Sattel halten und flog im hohen bogen vom Pferd. Sein letzter Gedanke als er die große Eiche immer näher kommen galt seinen Eltern und dem baldigen Wiedersehen welches ihnen bevorstand. Dann wurde die Welt dunkel.

Die Feuer von Anwyl

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"Die Feuer von Anwyl ist eine Geschichte die zu Erzählen sehr lange dauert. Wenn Du sie jedoch trotzdem hören willst, so folge mir in meine Waldhütte", spricht Lithaniel und verschwindet in seiner Hütte.

Die Erzählungen von Fallaron Selatur

Copyright by Fallaron

"Die Erzählungen von Fallaron sind eine sehr lange Geschichte die zu Erzählen mehrere Abende vor dem heissen Kamin dauern wird. Wenn Du sie jedoch trotzdem hören willst, so folge mir in meine Waldhütte", spricht Lithaniel und verschwindet in seiner Hütte.

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